Blauwasser

Einmal, zweimal Rueckreise

Ein Jahr zuvor, 2017, sass ich im September regelmaessig mit total abgekauten Fingernaegeln vor der Wetterkarte. Keine segelbare Pause zwischen den Tiefdruckgebieten schien sich aufzutun. Eines nach dem anderen, jagten sie aus der tasmanischen See mit unangenehm hohen Windgeschwindigkeiten – und den entsprechend gruseligen Wellenhoehen – auf den Norden Neuseelands zu.

Dummer Weise hatten wir dieses Fruehlingswetter wohl etwas unterschaetzt, als wir im Spaetsommer noch schnell die Zusage erteilten, dass wir das Catering fuer das Oktoberfest einer deutschen, in NZ ansaessigen Wohnmobil Firma uebernehmen wuerden. Mit Haengen und Wuergen schafften wir es damals unbeschadet gerade noch rechtzeitig wieder ins Land zu kommen.

So ein bloeder Fehler, unter Zeitdruck segeln zu muessen, sollte uns nie wieder vorkommen. Also hatten wir den eintraechtigen Catering Job fuer den diesjaehrigen, kommenden Fruehling abgelehnt.

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1a geplant

Ha, diese Mal bemuehten wir uns sogar rechtzeitig um ein zusaetzliches, erwachsenes Crewmitglied. Und ein – so seine Angaben: lebenslanger neuseelaendischer Segler hatte seine Hand gehoben und sich angemeldet Mitte September in Savusavu, Fiji, zu uns zu stossen um mit uns den Toern Fiji- NZ zu segeln.

Unsere Batterien pfiffen aus den letzten Loechern und ob der frisch, und sehr provisorisch, installierte Autopilot wirklich guten Dienst leisten wuerde, war noch etwas fragwuerdig. Ein bischen Hilfe bei den Nachtwachen kam uns da sehr willkommen.

Beste Planung unsererseits. Was sollte da noch schief gehen?

Vom Luxus geplagt

Ungluecklicherweise hatte unser neues Crewmitglied nicht viel Blauwasser Erfahrung und nachdem wir die Kueste aus den Augen verloren hatten stellte sich bald heraus, dass er noch niemals in seiner lebenslange Seglerkarriere nach Kompass hatte steuern muessen. Es fehlte der grosszuegig illuminierte Chartplotter. Und es fehlte Autopilot auf Knopfdruck und noch manch andrer Luxus, den unser bescheidenes Boot nicht aufweist. Nach einer ungewollten, mitternaechtlichen Halse und einigen Entspannungs-suchenden Gespraechen stellte sich heraus, dass unserer beider Erwartungshaltungen stark voneinander abwichen. David, so sein Name, war an Schiffe gewoehnt, die per Knopfdruck Segel reffen und Kaffee kochen. Dass Frischwasser auf See ausschliesslich dem Trink- und Zahnputz Genuss vorbehalten sein sollten war ihm schleierhaft und unbekannt, aber schnell mit unserem winzigen Entsalzer erklaert. Offensichtlich hatten wir vorab zuwenig preisgegeben und er hatte zu wenig gefragt…

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Viele Segler, die wir kennen, kommen mit weniger Luxus aus als wir, aber ja: das Gros der Segler, das unseren Kurs bisher gekreuzt hat, hat es luxurioeser an Bord als wir. Uns fehlt das noetige Kleingeld fuer Waschmaschinen, riesige Batteriebaenke und monstroese Solaranlagen. An Bord Luna C wird mit Muskelkraft gesegelt und unter der Puetz (Eimer) mit Salzwasser geduscht. Wir waschen unsere Waesche wenn es regnet und wenn die Sonne untergeht ist Schlafenszeit. Off grid Leben ist fuer uns nicht nur die Unabhaengigkeit von den oeffentlichen Versorgungsnetzen. Die Chance Beduerfnisse zu minimalisieren und ganz bewusst Abhaengigkeiten im weitesten Sinne zu verringern ist das, was fuer uns ein Leben ‚off the grid’ so interessant macht. Mal mit ganz wenig auskommen.

Wir sind also ganz zufrieden mit all diesen Unzulaenglichkeiten. Nicht so war unser Freund David.

Fuer ihn bedeutete dieser Mangel Stress und Sorgen.

Das Mailleur

Um des guten Herren Stresspegel unter Kontrolle zu halten, liess ich mich eines Nachts darauf ein den Motor untertourig mitlaufen zu lassen, obgleich wir bei gutem Wind segelten. So konnte der Autopilot, trotz schwacher Batterien, die Steuerwache uebernehmen, David konnte sich weitgehend entspannen und der Rest der Familie goennte sich eine noetige Muetze Schlaf.

Und dann unterlief mir der boese Fehler: Als ich David am Ende seiner Wache abloeste, machte ich den Motor aus, OHNE ihn noch einmal auf Hochtouren zu bringen und wir segelten weiter durch die Nacht.

Als am naechsten Tag die Flaute eintrudelte sprang der Motor nicht mehr an. Ein paar Mal zuenden und dann verkeilte sich alles. ARGGGGHHHHHHHHH!

Davids Stresspegel ging durch die Decke und er empfahl wir sollten nun einmal einen Techniker telefonisch um Hilfe bitten. Wir waren mehr als 300nm von Fiji entfernt und etwa 700nm von Neuseeland. Sein Vorschlag widersprach all unserer Seglermoral; zumal   derzeit definitiv keine Gefahr fuer irgendwen oder irgendwas bestand.

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So pfiffen wir auf den Rat des meist erfahrenen Seglers an Bord und zogen unsere Buecher zu Rate. Wasser im System. Ganz klare Diagnose. Wahrscheinlich hineingekommen, weil der Turbo sich durch Russ festgesetzt hatte (untertourig fahren und dann nicht durchblasen…tstststs *rolldieaugen*) , ergo das Wasser nirgends hinaus konnte. Zuenden ohne Anspringen mit offenem Seeventil – wissen wir heute – ist ein riesen Tabu. Wieder was gelernt. Auf die harte Tour.

Onkel Yanmars Wiedergeburt

Nachdem Ron den Motor aufgemacht und etwas Wasser entfernt hatte und das Ding immer noch nicht anspring entschieden wir umzudrehen und zurueck nach Fiji zu segeln.  a) plagten uns die Zweifel, dass wir den Motorschaden nicht alleine beheben koennen wuerden, und  b) musste David ganz dringend zum Flughafen gebracht werden. Lieber bissen wir in den sauren Apfel neue, wahrscheinlich sehr schlechte und sehr teure Batterien in Fiji zu kaufen und als unglaublich uebermuedete, erschoepfte Idealisten in NZ einzusegeln, als dass wir uns weiterhin der psychologischen Belastung aussetzen wuerden mit einer abgestressten Seele die Koje zu teilen.

Nach drei Tagen liefen wir wieder unter der fijianischen Kueste und Ron schaffte es tatsaechlich in seinem dritten, oder vierten (?) Versuch den Motor zu ‚entwaessern‘, was aufwendiges auseinanderwerkeln der guten alten Seele bedeutet, und der alte Onkel Yanmar war geheilt! Mit einem Mal sprang er an und lief wieder rund wie eh und je.

Wir hatten uns weder auf enge Riffpassagen ohne Motorabsicherung gefreut, noch auf ankern unter Segeln im eng besuchten Ankerfeld von Denarau. Und all dies blieb uns  erspart, dank Rons Entschlossenheit und den unentbehrlichen Tips aus unserem neuen Lieblingsbuch „Boatowner’s mechanical and electrical manual“. Ein Muss-Haben fuer jede schwimmende Bibliothek.

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Pizzaparty fuer Mo

Die Kurzen waren alle ziemlich gut drauf waehrend all der Dramaturgie, waren dann aber froh als wir die extra Crew los waren und die gute Laune zurueckkehrte.

Mona war seelig, dass sie so nun doch ihren Geburtstag in Fiji feiern konnte – mit Pizza satt und fijianischen Feuertaenzern vor der Pizzeria! Juchei!

Der zweite Anlauf unserer Heimreise verlief ereignislos. So richtig schoen langweilig –  wie man sich Blauwasser segeln wuenscht.

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Zwei Wochen spaeter als gedacht troedelten wir in NZ ein. Uebermuedet und erschoepft, aber ganz und gar stressfrei.

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