Gedanken · Segeln mit Kindern

Plastik Meere

Nach einer nicht besonders ereignisreichen Passage – Highlight: ein koestlicher Albacore Thunfisch an der Angel, negatives Highlight: die totale Aufgabe des Geistes unserer Selbststeueranlage – motorten wir bei spiegelglatter See in das Staedtchen Savusavu ein.  Ein paar feucht-schwuele, klebrige und mit Papierkrieg versuesste Tage spaeter hielten wir unsere Cruising-Permit und Visa fuer alle an Bord in den Haenden. Schnell auf dem Markt soviel eingekauft wie wir tragen konnten und nichts wie weg. Namena, Makogai und Naigani lockten mit ihren Kokospalmen und bunt besiedelten Riffen. Lina und Mona schnorcheln inzwischen bis zu einer Stunde am Stueck. Bei Wassertemperaturen von 27 Celsius aber immer noch im kurzen Wetsuit. Kiki treibt froehlich von Schwimmfluegeln getragen nebenher. Manchmal bestehet er auf einen kleinen Ritt auf den Seepferdchen, in die Ron und ich uns zeitweise zu Kians reinem Entertainment verwandeln.

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Nautilus im Muell

Auf dem Inselchen Makogai zeigten uns die ortsansaessigen Kinder drei kleine Schildkroeten, die fuer die naechsten zwei Jahre in einem Beton-Basin verknastet sind. Damit die grossen Barracudas am Riff sie nicht im Ganzen verschlingen koennen. Netter Gedanke – fuer uns alle Mal einen taeglichen Besuch wert.

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Von einer Kokosnuss Jagd auf Makogais kleiner Nachbarinsel brachten wir zwei grosse Saecke mit Plastikmuell mit. Und zwei wunderschoene Nautilus Schalen.

Ein paar hochgezogene Augenbrauen und ein zartes, vielleicht spoettisches, Laecheln waren die Antwort, die ich bekam, als ich dem ortsansaessigen Gastgeber Inoke die Plastik Mengen zur Weiterleitung aufs Festland uebergab.

Unsere Planung sollte uns erst 10 Tage spaeter wieder in einigermasen zivilisierte Gegenden verschlagen, so dass wir diesmal den Muell leider nicht selber mitnehmen konnten. Dieses sehr zu Freuden meines Mannes, der naemlich manchmal etwas genervt reagiert, wenn er seine gefangenen Fische ueber Haufen von Muellsaecken an Lunas Heck hieven muss, bevor er kurzen Prozess mit dem zappelnden Leckerbissen machen kann.

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Gesetzesaenderung

Im vergangenen Jahr, als wir hier waren, hatte Fiji gerade ein neues Gesetz verabschiedet. Ab dem 01. August sollte jede herausgegebene Plastiktuete mit 10c bezahlt werden. Das fuehrte dazu, dass auf unser stetes Verweigern der Plastiktueten uns immer eifrig versichert wurde, dass wir aber wirklich garkeine 10c bezahlen wuerden muessen. Sehr nett gemeint, aber uns ging es weniger um das Geld, als mehr darum, dass wir Muell vermeiden wo wir koennen, und zum einkaufen immer genuegend Rucksaecke und Tragetaschen dabei haben. In diesem Jahr waren alle Schilder bzgl. des neuen Gesetzes verschwunden und Plastiktueten werden wieder ungefragt und in grosser Menge verteilt…um bei der Wahrheit zu bleiben sollte ich ‚aufgedraengt‘ sagen. Unser dankbares Abwinken ruft oftmals eben die Mimik hervor, die Inoke so schoen auf mein offensichtlich total absurdes Anliegen demonstrierte, den Plastikmuell zur Entsorgung zum Festland weiterzuleiten.

Es ist ueberall und und staendig praesent. Es haengt am Riff und liegt am Strand. Keine kleine Ecke mehr in diesem Pazifik in der uns nicht die Ignoranz unserer eigenen Rasse entgegenschreit. Die Enormitaet dieser Problematik laesst mich sprachlos. Und einfallslos.

Wuetend machen mich nicht die Einheimischen, die es offenbar einfach noch nicht besser wissen. Wuetend machen mich all die westlich europaeisierten Touristen, die ueber den Plastikmuell am Strand einfach hinweg steigen. Auch fuer sie scheint die Aufgabe zu gross zu sein. Verstehe ich, mir geht’s ja irgendwie nicht anders.

IMG_0954_Fotor.jpgUnd doch laesst mich der Gedanke nicht los, dass die Riffe und Straende des Pazifiks wesentlich besser aussaehen, wenn jeder Tourist eine Tuete Muell einsammelte und sich fuer seine ordnungsgemaesse Entsorgung einsetzte.

Aber dann…

…faellt mir der freundliche englische Taucher ein, mit dem wir neulich ein paar Biere teilten. Waehrend wir unser beidseitiges Entsetzen ueber die Verschmutzung im Pazifik diskutierten belaechelte er meinen Eifer und Enthusiasmus.  Meine Aeusserung, dass wenn nur jeder seinen Teil aufraeumte, vermied und recycelte, stiess auf seine Zustimmung. Und doch war er auch weise genug schon lange vor mir zu erkennen, dass dies eine ziemlich naive und unrealistische Anforderung an die Menschheit sei. Aehem, das mit der Weisheit ist halt nicht so mein Ding…

Cocacola undurchsichtig

„Stell’ dir mal vor welchen Unterschied es machen wuerde, wenn ein Unternehmen wie CocaCola alle seine Verpackungsmaterialien recyceln wuerde!“ Er fuegte auch noch hinzu, dass CocaCola eben dieses nicht taete, weil sie gefunden haetten, dass ihre Flaschen, wenn recycelt, nicht mehr ganz so glasklar und durchsichtig sein wuerden.

Das nun, ist doch tatsaechlich ebenso ungeheuerlich wie ein Fijianer, der seine 2-Minuten-Nudel Verpackung in den National Park schmeisst. Oder? Vielleicht sogar noch ein ganz klein bisschen ungeheuerlicher…

Wenn wir alle vor unserer eigenen Tuer kehren und unseren Teil tun, koennen wir als Viele viel veraendern. Jetzt bleibt die Frage fuer mich offen: was kann wie getan werden um auch so jemanden wie Herrn Nestlé davon zu ueberzeugen, dass Umweltschutz dringend notwendig ist???

Und zuhause

In unserer von Konsumguetern ueberschwemmten Welt gibt es soviele gute Alternativen. Vorallem wenn es um Einweg- und Wenigweg- Plastik geht….

…Plastiktueten aller Art ablehnen

…stets eine wiederverwendbare Wasserflasche mitschleppen

…auf Take-away Essenscontainer verzichten

…immer einen wiederverwendbaren Kaffeepott in Auto oder Handtasche dabei haben

…Bambus Zahnbuersten sind super!

…Badelatschen gibt’s auch aus Leder, Waescheklammern aus Holz, Strohhalme aus Nierosta Stahl

…Haare ganz ohne Shampoo waschen (Alternative: Ei, z.B.), oder mit Haarwasch Riegel

…Plastikarm einkaufen, oder wenigstens alles unnoetige Plastik an der Supermarkt Kasse entfernen und den Erzeugern, bzw, Weiterverkaeufern zur Entsorgung ueberlassen

Ich bin in Hamburgs Westen aufgewachsen, mit gelben Saecken und Pfandflaschen. Mir wurde mein Leben lang eingehaemmert, dass Umweltverschmutzung ein Problem ist. Dass Plastikmuell alleine eine solche Dimension erlangt hat, aber, war mir nicht klar. Nicht, bis ich die uebersaehten Straende und Riffe mit eigenen Augen gesehen hatte. Das Problem ist RIESIG – unbeschreibbar mit Worten oder Photos. Eine Katastrophe!

Und wer mir nicht glaubt, dem empfehle ich wieder einmal den Film Plastic Ocean. Was dort gezeigt wird erleben wir hier live; im zivilisierten Fiji – gleich um die Ecke von 5-Sterne Luxus Resorts.

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