Blauwasser · Gedanken · Segeln mit Kindern

Alternativen

Es ist 2.30 am morgen und Luna C stampft sich langsam und stetig durch den Pazifik. Der fast noch volle Mond leuchtet uns den Weg. Ich halte Nachtwache. Nicht weil ich wirklich gebraucht wuerde. Der Autopilot steuert, Wind und Wellen schieben Luna an. Aber auch hier draussen, so sagt man, gibt es irre Kapitaene, deren Container Frachter mit kleinen Segelyachten kurzen Prozess machen; aus Versehen.

Losgelassen

Seit sieben Tagen sind wir auf See, kein Land in Sicht. Wenn alles gut geht landen wir in drei Tagen in Savusavu, Fiji. Sieben Tage brauchte ich um vom Landleben lassen zu koennen…endlich sickert wieder durch, warum wir hier sind. Hier, mitten auf dem riesigen, blauen Nass. Warum wir uns die Muehe, die schlaflosen Naechte und die finanzielle Buerde auferlegen unsere Leben dem Ozean und dem Universum auszuliefern.

Collage_Fotorooo

Freiluft Klassenzimmer

Unsere Kurzen leben schulfrei und sicherlich ist ein Nomadenleben zur See ein toller Klassenraum. So verkaufe ich es dem Bildungsministerium zwecks Schulbefreiung und Aussenstehende sind oft angetan von den Kompetenzen der Kurzen – wie toll sie Palmen malen koennen, schwimmen, klettern, Seemanns Lieder zitieren und Knoten binden koennen, nebst anderem. Stimmt auch alles. Wahnsinns Klassenzimmer – wir alle lernen Unmengen. Bezueglich Diesel Mechanik und Bootselektrik lernen wir sogar meistens mehr als uns lieb ist. Haha.
Aber mal Spass beiseite: Knoten binden kann man auch bei den Pfadfindern lernen und Korallenriffe koennte man ja auch ab und an mal mit dem Flugzeug besuchen. Schildkroeten gibt’s im Aquarium und schwimmen lernen tun andere Kinder auch in chloriniertem Wasser ohne ernsthaften Schaden davon zu tragen.
Natuerlich bin ich dafuer Dinge in relevantem Kontext zu praesentieren und freilernen kann, glaube ich, auch nur dann wirklich stattfinden. Lieber schleppe ich alle drei nach Afrika zu einer Safari, ehe mit ihnen in den Zoo zu gehen. Mehr zu diesem Thema hier.

Gesellschaftliche Norm und Mumpitz

Dennoch gibt es etwas das heraussticht fuer mich. Etwas, das die Kurzen nur auf diese, manchmal vielleicht nicht immer leichte Art und Weise, mitkriegen koennen.

Es gibt Alternativen zur sozialen Norm.
Wir brauchen das Spiel unserer Gesellschaft nicht mitspielen. Wenn es und nicht passt. Lebensmodelle koennen so vielfaeltig sein. Nichts ist unmoeglich.

Ich bin aufgewachsen in dem Glauben, dass man lernen muesse sich anzupassen. Und ich wuenschte, ich haette schon frueher in meinem Leben verstanden, dass das der absolute Mumpitz ist.
Das haette mir einiges an Marihuana, Alkohol und Traenen erspart. Und meinem Umfeld vielleicht einiges an Sorge. Vielleicht.

Wenn unser Leben sich ausrichtet nach dem, was andere von uns erwarten, und wir unsere Tage damit verbringen werden und haben zu wollen was wir nicht sind und nicht haben, dann vergessen wir uns selbst.

Collage_FotorouiyMaritimes Museum Auckland

Da sieht man junge Heranwachsende vor sich hin pubertieren und alle wuenschen sich sie wuerden endlich sich selbst finden, damit sie wieder zur Ruhe kommen koennen. Und wenn sie dann anfangen Medizin zu studieren atmen alle auf, weil sie nun ja offensichtlich Frieden geschlossen haben. Aber mit wem denn, bitte? Mit der Erwartungshaltung von Mama, Papa und den Medien, vielleicht. Mit sich selbst hoechstwahrscheinlich nicht. Die Ausnahme bestaetigt die Regel.

Was ist wirklich wichtig?

Und das ewige Gerede darum, dass wir doch alle wissen, dass Auto, Eigenheim, Status und Bankkonto nicht wirklich wichtig sind. Aber zu wenige leben es, weil das Gros noch zu beschaeftigt ist ihre Schulden abzubezahlen. Fuer Haus, Auto und Universitaetsabschluss. Absurd.

Ich bin aufgewachsen in dem Glauben, dass man lernen muesse sich anzupassen. Und ich wuenschte, ich haette schon frueher in meinem Leben verstanden, dass das der absolute Mumpitz ist.

Ich moechte daneben stehen, wenn unsere Kinder ihre grossen Leidenschaften entdecken, und ich wuensche mir die Toleranz und Staerke sie genau so anzunehmen wie sie kommen.
Nach aktuellem Stand sieht es aus, als ob Lina einer suedpazifischen Tanz- und Gesanggruppe beitreten wird. Kian wird wohl als Ballett tanzender Fischer, die Weltmeere besegeln und Mona scheint in der Abteilung fuer Rechnungswesen eines grossen Tierheimes einsteigen zu wollen. Von mir aus gerne, solange es ihr Weg ist und nicht ein von aussen produzierter.

Nun aber erstmal BULA BULA FIJI!

P.S.: Bei Veroeffentlichung haben wir Savusavu gesund und munter erreicht und nuckeln am Strand an Kokosnuessen!

2 Kommentare zu „Alternativen

  1. Eure Kinder

    Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
    Sie sind die Söhne und die Töchter der Sehnsucht
    des Lebens nach sich selber.
    Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,
    Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.

    Ihr dürft ihnen eure Liebe geben,
    aber nicht eure Gedanken,
    Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
    Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben,
    aber nicht ihren Seelen,
    Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen,
    das ihr nicht besuchen könnt,
    nicht einmal in euren Träumen.

    Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein,
    aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
    Denn das Leben läuft nicht rückwärts
    noch verweilt es im Gestern.

    Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder
    als lebende Pfeile ausgeschickt werden.
    Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit,
    und er spannt euch mit seiner Macht,
    damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.
    Laßt eure Bogen von er Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein;
    Denn so wie er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist.

    Khalil Gibran
    (* 06.01.1883, † 10.04.1931)

    Ich wünsche Euch nur das Beste!

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