Gedanken · Segeln mit Kindern

Genug

Der letzte Tag

Vorgestern haben wir unsere Baeckerei mal wieder geschlossen. Zum zweiten Mal, fuer den zweiten Winter. Letztes Jahr haben wir uns acht Monate gegoennt, diesmal werden wir uns mit sechsen zufrieden geben muessen. Irgendwie scheint das Bankkonto das so zu wollen…

Und dennoch: Es gibt sicherlich schlimmeres als ‚nur‘ sechs Monate im Jahr segeln zu gehen.

Was mich erstaunt ist die grosse Anzahl von mehr oder minder nett gemeintem auf-die-Schulter-klopfendem „Mann, ihr habt’s echt gut!“ Geplappere. Klar, haben wir es gut. Das sehen wir eigentlich schon ganz schoen lange so. Und wenn ich mich so umschaue, dann stimmt diese Feststellung wohl doch fuer so ziemlich jeden in meinem neuseelaendischen Umfeld. Man muss nicht hungern oder frieren und hauptsaechlich kann man tun und sagen, was man will – in diesem Land Neuseeland, in dem wir hier leben. (Kinder oder anders Abhaengige vielleicht z.T. ausgeschlossen).

Hin und wieder folgt dem auf-die-Schulter-Geklopfe dann noch der Nachsatz: „Das wuerde ich mir auch gern mal leisten koennen!“

Collage_Fotor

 

Reichtum ist Kopfsache

Was sich ein jeder leisten kann und will ist eine aeusserst subjektive Angelegenheit. Und vielleicht waere es gar gut das Wort ‚koennen‘ in diesem Zusammenhang einfach mal aussen vor zu lassen.

Wir Kurzen koennten uns sicherlich Lebensversicherungen, Grundeigentum, teure Flugreisen und neue Markenklamotten leisten. Dann wuerden wir einfach elf einhalb Monate lang im Jahr arbeiten, unsere Kinder in Schule und Kindergarten abgeben und dafuer sorgen dass wir durch regelmaessige Neuverschuldung unseren Steuersatz niedrig halten. Vielleicht wuerden dann auch einmal unsere Steuerberater aufhoeren den Kopf ueber uns zu schuetteln. Dem Bruttoinlandsprodukt wuerden wir einen Riesengefallen tun.

Aber uns nicht. Und unseren Kurzen auch nicht.

Enough

Klar haetten auch wir gerne mehr Zeit, mehr Geld, mehr Ansehen. Das liegt irgendwie in der Natur des Menschen: MEHR! Doch tatsaechlich haben wir genug. Genug von dem, was uns wirklich wichtig ist.

Manchmal spiele ich mit dem Gedanken Luna umzutaufen, ihr den schoensten Schiffsnamen zu geben, der mir bisher begegnet ist: Enough.

Aber das gaebe sicher Aerger mit Neptun. Und es wuerde wieder ein paar hundert Dollar kosten. Geld, mit dem wir lieber eine Woche laenger frei machen!

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