Elternschaft · Gedanken

Selbstbestimmung hat zottelige Haare

Ich lebe in einer Seifenblase, gefuellt mit gruen-denkenden und Hippy-orientierten Mitmenschen und hin und wieder verschafft sich jemand Zutritt, der mich aus dem Lala-Wachtraum reisst und mir ins Gewissen redet: “DAS IST ABER NICHT NORMAL!“

…Normalerweise ist einer der Kurzen gemeint und ich damit auch; schliesslich bin ich die verantwortliche Mutter, die das ganze zulaesst, oder sogar gestaltet.

Lieblingsthemen sind wer wie lange noch immer gestillt wird: Kian, obwohl er drei Jahre alt ist, und doch – oh wunder! auch schon feste Nahrung zu sich nimmt.

Wer wo noch immer nicht  alleine schlaeft: alle drei Kurzen in unserem Bett; auch die fast siebenjaehrige Lina.

Wer zu welcher Tages- und Nachtzeit noch immer nicht schlaeft, oder eben immer noch: Meist sind sie alle um 9.30pm im Bett, aber eben mancher auch erst um 8.30am wieder wach.

Zustaende

Alles in allem total unhaltbare Zustaende. Zum Glueck wussten – bisher wenigstens – nur Auserwaehlte, enge Freunde, Verwandte und aufdringliche Nachbarn von diesen erzieherischen Katastrophen. Und das Verhalten der Kinder entbahrt sich ja auch nur dem geduldigen Zuschauer.

Es gibt aber etwas, was sie alle, die so gerne schlaumicheln, gleich ausmachen koennen. Und das ist die auesserliche Verwahrlosung der drei Kurzen.

Collage_Fotor09090.jpg

Gekleidet in Mode, die laengst das Mindesthaltbarkeitsdatum ueberschritten hat und offensichtlich vom Kinde selbst , oder von einer Farben- und Stilblinden Mutter,  zusammengestellt wurde. Das Ganze mit Resten vom letzten Fruehstueck UND Mittagessen verziert. Und um die Flodderei perfekt zu machen ungekaemmte Haare, und an echt harten Tagen Schokoladenschmieren auf Backen, Hals und Haenden. IGITT!

Collage_Fotor88.jpg

Wirklich schoen finde ich das auch nicht immer. Manchmal schmunzel ich drueber, manchmal nervt es mich und manchmal ist es mir sogar unangenehm. (Wobei ich mir wirklich groesste Muehe gebe dieses letztere Gefuehl abzustellen.)

Mein Mama-Job

Ich sehe es aber nicht als meinen Job an, meine Kurzen in das Einmal Eins der Modewelt einzufuehren. Was hip ist werden sie wahrscheinlich schneller als mir lieb ist mitkriegen, um sich dann ein paar Jahre diesen hirnverarmten Trends mit Leib und Seele zu verschreiben. Und es ist doch sehr wahrscheinlich, dass sie sich mit 20 Jahren freiwillig und selbststaendig das Schokoloadeneis von der Backe wischen.

In meiner Jobbeschreibung aber steht ganz gross und fett, dass wir als Eltern den Kurzen beizubringen haben was Konsens ist, und dass wir nur mit gegenseitigem Einverstaendnis ein froehliches Leben auf dieser Erde, und mit ihr uebrigens auch, fuehren koennen.

Konsens bedeutet die uebereinstimmende Meinung von Personen zu einer Frage,

so sagt www.wikipedia.de (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/ Konsens).

Collage_Fotor3434.jpg

Wenn das Kind nun aber nicht seine Haare kaemmen moechte, obgleich die Mutter es dazu anhaelt, dann ist kein Konsens getroffen.

Das Gleiche gilt fuer Mund abwischen, saubere Klamotten anziehen oder ein zusammenpassendes Paar Schuhe tragen. Im uebrigen ebenso wahr fuer „Danke“ sagen, Tanten kuessen, Haende schuetteln u.ae. soziale Erwartungen.

Und wo liegt das Problem?

Wer nicht lernt, wie man Konsens findet, wird ihn nicht anstreben. Mit weitreichenden Folgen. Zunaechst werden vielleicht die sich im engsten Umkreis Aufhaltenden maltraetiert. Nicht so prickelnd fuer ein harmonisches Familienleben. Spaeter dann sind alle die dran, die sich nicht lautstark genug wehren koennen oder moegen. Juengere Spielkameraden, Mitschueler, Arbeitskollegen…

„Was Du nicht willst, das man Dir tu, das fuege keinem Anderen zu.“

Und wer nicht gelernt hat, wie man Konsens findet, wird auch nicht auf ihn bestehen, weil er oder sie sich des Konsens nicht wuerdig fuehlen.

Ich wuensche mir von Herzen, dass meine Kurzen heranwachsen zu Jugendlichen, die sich von niemandem etwas gefallen lassen, was ihnen nicht zusagt.

Wie sagte schon meine geliebte Oma oft: „Was Du nicht willst, das man Dir tu, das fuege keinem Anderen zu.“

5 Kommentare zu „Selbstbestimmung hat zottelige Haare

  1. Kommt mir sehr bekannt vor. Ich habe meiner Tochter früher die Haare gebürstet. Vorsichtig und vor dem Fernseher, sonst ging da gar nichts.
    Sie hatte letztes Jahr einen großen Knoten in den Haaren. Ich habe sie zwischendurch gewarnt, dass wir die Haare im schlimmsten Fall abschneiden müssten. Ich habe ihr auch Fotos gemacht, und ihr ihre Haare von hinten gezeigt. Das war nicht einfach für mich mit anzusehen.
    Letzten Endes, mussten wir dann ein ganzes Stück rausschneiden. Ein Glück (für mich), konnte ich es durch den Zopf gut kaschieren.
    Sie fand es ein Glück überhaupt nicht schlimm. Und ihr wäre das auch nicht peinlich gewesen. Sie ist da sehr unkompliziert. Man sagt ja Kinder (Menschen) lernen aus Erfahrungen, dann finde ich sollten wir ihnen auch die Möglichkeit geben. Beim Anziehen habe ich ihr auch „nur“ Tipps/Anregungen gegeben. Sie hat dann letztendlich entschieden. Das klappt bis jetzt ganz gut.

    Liebe Grüße! 😊

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Kathin, das hoert sich an wie unsere Mona, die einen einzigen Riesen-Dread ueber Monate hatte. So schlimm, dass man keinen Zopf mehr machen konnte. Auf den Photos sieht man, wie sie eben diesen dann selber abschneidet. Jetzt wartet sie sehnsuechtig darauf, dass die Haare hinten wieder nachwachsen und hat vielleicht etwas gelernt? 🙂
      Super, dass ihr es bei Vorschlaegen belasst!!

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s