Elternschaft · Segeln mit Kindern

Angeschrien

Heute habe ich die Kurzen angeschrien. Sehr unfein so etwas zu tun, und eigentlich auch nicht wirklich meine Art. Aber heute ist es einfach durchgeknallt. Nicht das erste und sicherlich auch nicht das letzte Mal, obgleich ich wirklich ganz hart dran arbeite sowas zu vermeiden. Sowas wie dieses hier:

Wir hatten schon eine ziemlich haarige haarscharfe Riffpassage am Morgen hinter uns, 30 Meilen unter zweifach gerefftem Groß und gereffter Genoa und 2 Meter hohen Schwell, direkt auf die Seite, so dass Luna wie eine Sturzbesoffene immer wieder ins torkeln geriet und sich ihre und auch unsere Innereien stets neu sortieren mussten. Erstaunlicher Weise musste keiner kotzen. Das lag vielleicht an der exzellenten Vorbereitung – drei Naechte in einer aehnlich rolligen Ankerbucht.

Als wir nun heute Nachmittag Kurs nahmen auf die Riffenge vor Makongai waren wir eigentlich alle froh gleich ins wohl geschützte Ziel einzulaufen und waren guter Dinge. Nur Steuerfrau – ich – war wohl noch ein wenig angespannt ob der bevorstehenden Durchfahrt. Knappe zweihundert Meter breit ist die fuer uns passierbare Stelle, die Sonne stand noch hoch und die Sicht war gut. Ron stand im Mast um Ausschau zu halten. Unter Motor presst Luna gegen etwa 15 Knoten Wind an und macht bei 2000 Umdrehungen nur  gute 2 Knoten Fahrt. Da muss auch noch Gegenstrom eine Rolle spielen, dachte ich mir gerade. Ein Blick auf die Karte verrät mir, dass auch mit starker seitlicher Stroemung zurechnen ist, alsbald wir näher an der Riffeinfahrt sind. Ein kleineres Vorgelagertes Riff tunnelt die Wassermassen hier unpraktischerqeise quer zu unserem Weg. Doch in welche Richtung? Wir haben ablaufendes Wasser, das weiß ich. Aber das hilft mir leider garnichts – weiss ich naemlich nicht wohin es wohl ablaufen wird. Fijis Riffsysteme sind mir ein Buch mit sieben Siegeln, wenn es um Stroemungsverhaeltnisse geht allemal. Wie in Gottes Namen soll bei dem Riff Wirrwarr irgendwer durchblicken? Manchmal sind starke Stroemungen vielsagend beschriftet mit entsprechender Richtung fuer Ebbe und Flut. Heute habe ich aber leider Pech, diesbezüglich. Ziemliches Unbehagen in der Magengegend.

Mona und Kian holen gerade ihre Stoecke hervor, die sie gestern vom Strand mitgebracht haben und fangen ein wahrscheinlich freundlich gemeintes Fechtduell an. Aus dem Augenwinkel regestriere ich ihr Tun und erinnere sie so hoeflich ich kann, dass sie bitte nur das tun moegen, was alle Beiteiligten als lustig empfinden. In Wahrheit geht bei mir der rote Alarm an und aus Unbehagen wird dezente Panik: „Gleich wird mindestens einer heulen; ich aber muss mich gerade voll auf diese Riffe konzentrieren, damit nicht gleich der A…. auf Grundeis laeuft! PACKT DIE SCHEISS STOECKER WEG!!!!“ Dies alles aber bisher nur in meinen geheimsten Gedankengaengen. 

Offensichtlich stresst mich die Situation.. total.

Etwa eine Minute spaeter – und jetzt bricht sich weißes Wasser auf beiden Seiten verdammt nah am Schiff – ist es soweit: Die beiden hauen sich ihre Stoecke jetzt laut bruellend gegenseitig ueber die Koepfe. Beide heulen. Ich noch nicht, wuerde aber auch ganz gern. Stattdessen dreh ich verbal mal kurz durch und schreie sie an :’Ich möchte dass diese Stoecke jetzt verschwinden! Wenn wir durch Riffe fahren oder den Anker legen habt ihr bitte mal kurz Sendepause! Das kann echt gefaehrlich sein.‘ Da sie mich unveraendert schreiend und mit Knueppeln in den Haenden anschauen, werfe ich die Stoecke unter Deck und um die Entgleisung perfekt zu gestalten schiebe noch eine fiese Drohung nach: ‚ Wenn die Dinger wieder ins Cockpit kommen schmeiß ich sie ueber Bord! ‚ 

So! Das war jetzt alles echt und nicht nur gedacht….

Die ganze Erwachsene Macht ausgespielt.

Tatsächlich ist Kian so baff, dass er aufhoert zu heulen und Mona ist zutiefst beleidigt, so dass sie sich in ihr LieblingsEckchen unterm Sprayhood zurückzieht.

In meinem Kopf versuche ich mein Verhalten zu rechtfertigen : es geht mir ja nur um Lunas Sicherheit. wenn Luna sicher ist, sind wir es auch. Blablablaa… Sicherlich sind diese Ueberlegungen durchaus richtig und auch relevant, aber macht man deswegen seine Kinder so zur Schnecke??

Das Problem sind ja nicht Kinder, die mit Stoecken spielen. Denn das tun sie nunmal gerne und oft, und es ist immer wieder eine super Lektion fuer alle sich darauf zu einigen was ok ist und was nicht, und wie man zu Konsens gelangt.

Das Problem bin ich. 

ICH?? – Ja, ich. Ich mit meiner Erwartungshaltung, dass alle Welt meine Gedanken lesen kann und die Dinge so wahrnimmt wie ich es tue. 

Die Kurzen wussten nicht, dass ich von der Situation schon total gestresst war, weil ich es ihnen nicht gesagt habe. Sie wussten nicht, dass jetzt gerade einer dieser ‚Sicherheitsmomente‘ ist, in denen sie sich am besten fast unsichtbar machen, aus dem Weg gehen und bitte bitte still sind, weil Mama und Papa mit Luna und ihrem Wohlergehen beschaeftigt sind. Sie wussten es nicht, weil man es ihnen nicht mitgeteilt hat.

Collage_Fotor00.jpg
Auf Makongai wurden wir mit viel Geschichte und einer Giant Clam Farm entschaedigt.

Wie so oft  im Eltern Dasein war es das eigene erwachsene Unvermoegen rechtzeitig und informativ zu kommunizieren, was zur Explosion gefuehrt hat.

Sorry, kids!!!

Ein Kommentar zu „Angeschrien

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