Gedanken · Segeln mit Kindern

Sendepause und ein dickes Ende

Tja, ohne Frage hat es sie gegeben, eine Sendepause meinerseits, und schon manche Nachfrage nach unserem Verbleiben und Wohlbefinden hat mich erreicht…

…so dass ich nun wieder den Fuellfederhalter schwingen moechte um alle Blog-Lesenden zu beschwichtigen.

Ich koennte meine Schreib-Faulheit auf die fidschianische Hitze schieben und auf die wundervolle, komplette Koerper Entspannung, die mit dieser Hitze einhergeht. Oder ich koennte das loechrige Internet zum Schuldigen erklaeren. Und beide Gruende haben sicherlich mit hineingespielt, in mein Stillschweigen.

Der Hauptgrund aber war wohl doch mein Wunsch bei der Ehrlichkeit zu bleiben, und wenn diese sich so ungut anfuehlt, dann mag man ungern darueber berichten. Trotzdem tue ich das jetzt mal. Eben der Ehrlichkeit wegen:

Mit der Angst zu tun

Unsere Rueckfahrt nach Neuseeland hat mir Naegelkauen, schlaflose Stunden und Herzflattern bescherrt. Schon lange bevor wir gen Sueden in See gestochen sind. Ich hatte einfach Schiss und habe an mir und uns und unseren Faehigkeiten gezweifelt.

Vielleicht sollte ich zuerst noch erwaehnen: Luna C ist am Sonntag Abend in Tauranga, Neuseeland, eingelaufen. Boot und Crew wohlauf.

Fehler Nr.1: zu frueh

Seit etwa Ende August habe ich an der bevorstehenden Ueberfahrt zu knappsen gehabt. September und Oktober sind in Neuseeland noch lange kein Sommer. Da herrscht hier Fruehling. Kalter, nasser, windiger und unberechenbarer Fruehling. Die Wetterkarten, die wir schon seit August regelmaessig anschauten, zeigten in neuseelaendischen Gewaessern rot. Eine Front jagte der naechsten hinterher, aus der tasmanischen See kommend immer die Nordinsel volle Kanone ins Visier nehmend. Eigentlich alle begleitet von Winden um die 30 Knoten. Das bedeutet allerdings, dass begleitende Boeen um ein Halbfaches staerker ausfallen koennen. Und bei grossflaechigen Wettersystemen, oder solchen, die rasch aufeinander folgen, kommen krankhaft grosse Wellen dazu, die bestenfalls unbequem sind; unter unguenstigen Bedingungen aber auch gefaehrlich werden koennen.

30 Knoten sind durchaus ok fuer Luna und Crew, alles darueber aber laesst uns schnell den Humor verlieren. Und was in den 40+ern folgen wuerde weiss ich nicht, weil wir das auf Luna -toitoitoi – bisher noch nicht erlebt haben.

Fehler Nr.2: Zeitdruck

Die Wetterkarten liessen keinen freien Weg erkennen, auf dem wir es nach Neuseeland schaffen wuerden, ohne nicht mindestens eines dieser Systeme voll auf die Nase zu kriegen. Und selbst die beste Wettervorhersage liegt ja nunmal auch noch meistens ziemlich daneben, wenn es um Zeitraeume groesser als 5 Tage geht. Um das Wetterfenster ein bischen zu schrumpfen planten wir einen Stop in Nord Minerva ein.

Etwas unkluger Weise hatten wir aber zugesagt am 14.Oktober unser erstes Catering der Saison zu servieren. Wir mussten also bald ein Wetterfenster auswaehlen, welches wir fuer segelbar hielten. Desto laenger wir warteten, desto groesser wurde meine Angst wir wuerden dann in willkuerlich gewaehltem Wetter nach Neuseeland einsegeln muessen, bloss um unseren Terminkalender zu befriedigen.

Collage_Fotor
Vier Tage Nord Minerva – warten auf eine sturmfreie Passage
Fehler Nr.3: auf Schwarzmaler hoeren

Mit vielen Seglern habe ich ueber unseren bevorstehenden Toern gesprochen und obgleich all jene, die die Strecke schon des oefteren hinter sich gelegt hatten, guter Dinge waren und uns weder abrieten noch besorgt waren, gab es einige Stimmen, die schlichtweg voller Angst vor den tiefer gelegenen Breiten sind und mir klipp und klar versicherten, dass sie Neuseeland hoechsten per Flugzeug ansteuern wuerden. Weil es ja so stuermisch da unten sei….vorallem so frueh in der Saison…

Das grosszuegige Angebot von unserer besorgten Verwandtschaft die Kosten fuer unsere Fluege zu uebernehmen, wenn wir doch bitte nur Luna an Ort und Stelle lassen wuerden, hat ebenso wenig dazu beigetragen, dass ich mich sicherer fuehlte.

Das Gegenteil von gut, ist gut gemeint. Oder so aehnlich.

Der Kapitaen

Die Last der Verantwortung fuer unsere fuenf kleinen Leben und das Wohlergehen unserer lieben Luna hat schwer auf meinen Schultern gelegen. ‚Der Kapitaen traegt die alleinige Verantwortung fuer Besatzung und Schiff‘ . Und obgleich Ron inzwischen zu einem sehr guten Segler geworden ist und wir fast alle Entscheidungen an Bord gemeinsam treffen, das Kommando zum Ablegen lag hier bei mir.

‚Der Kapitaen traegt die alleinige Verantwortung fuer Besatzung und Schiff‘

Um das Wetterwirrwarr zu entwirren bat ich Bob McDavitt, seines Zeichens Wetterguru in Neuseland, um Hilfe. Ueber Satelitentelephon und SSB Radio waren wir fast taeglich in Kontakt und Bob half uns eine Route zu finden, die uns vor dem Schlimmsten bewahrte. Bis wir…

Das dicke Ende

…neuseelaendische Gewaesser erreichten. 300 Meilen vor der Kueste wurden wir von den heimischen Spinner Delphinen freundlich begruesst. Leider war unsere Freude ueber die netten Begleiter von kurzer Dauer, denn eine Blick auf die neueste Prognose zeigte ein riesiges Tiefdruckgebiet, welches sich zuegig zusammenbraute um dann mit geballter Kraft von Nordwesten auf der Nordinsel Neuseelands niederzugehen.

Trotz guter Winde und gutem Vorankommens haben wir auf der Stelle unseren treuen Freund und Helfer, den 100PS starken Yanmar Motor in Schwung gebracht und diesen treuen Gefaehrten erst unter der neuseelaendischen Kueste wieder zur Ruhe kommen lassen. Luna ist geflitzt! und das war auch gut so, denn als wir die schuetzende Kueste der Coromandel Halbinsel an unserer Seite hatten blies es bereits hundert Meilen noerdlich mit 60 Knoten. Wir mussten nur noch die Kueste hinunterduesen, was bei halben Winden mit anstaendiger Staerke ein kurzer Prozess war, und waren noch puenktlich halb vor Feierabend der Zollbeamten am Steg der Bridge Marina in Tauranga.

Unendlich erleichtert. Und ein kleines bischen stolz.

 

Nachtraege ueber Fidschi kommen bald. Versprochen. 

5 Kommentare zu „Sendepause und ein dickes Ende

  1. Herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Überfahrt. Wie immer ein ehrlicher Bericht. Wir haben auch kräftig die Daumen gedrückt! Segeln, und gerade in diesen Breiten hier, ist jeden Tag seine Grenzen neu stecken und somit zu erweitern. Habt Ihr Klasse gemacht und stärkt Euch für die Zukunft. Liebe Grüße aus Noumea NC von Anne und Rainer vom Meerbaer

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    1. Ich freue mich, dass Ihr wohlauf zurück seid. Ich finde es großartig, wenn man seine Träume verwirklicht. Man muss immer mehr Träume haben als die Realität zerstören kann. Ganz, ganz toll. Anni, Du kannst so spannend und besonders schreiben. Es war mir eine Freude die Berichte zu lesen. Danke! Herzlicher Gruß

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