Kulinarik · Segeln mit Kindern

Unsere Essstoerung

Tonga ist genau das tropische Paradies von dem wir geträumt hatten. Wenigstens die Hapai Gruppe.

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Tongatapu mit der Hauptstadt Nuku’alofa ist praktisch und der Besuch des Marktes eines Stoppes Wert. Ansonsten ist es eben eine Stadt. Laut und dreckig und voller Werbung, die dem Tonaganer den gleichen Schmarrn aufquatschen will, wie überall auf der Welt:“ Happiness is a bigger screen.“ Manch einer vezichtet in diesem Land auf qualitative Erfuellung der Grundbeduerfnisse, aber fuer ein Handy reicht’s trotzdem. *kopfschuettel*

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Nach ein paar Tagen Tongatapu waren wir schnell fertig damit und segelten nordwärts in die Ha’apais.

Kokosnuesse und Korallen

Hier schaukelt Luna uns zuverlässig von Inselchen zu Inselchen und bisher haben wir (toitoitoi!) alle Riffe, Untiefen und Korallenkoepfe erfolgreich umschifft. Die meisten sind tatsächlich ganz gut in unseren Seekarten verzeichnet. Aber eben nur die meisten… wahrscheinlich sind es einfach Zuviele, um sie anständig zu markieren oder zu kartieren – ständig sind wir von sich brechendem Wasser umringt. Zum Schnorcheln paradiesisch. Die Hapais werden von vielen Tonga Touristen ein bisschen vergessen und somit sind viele dieser Inseln vom Tourismus unberührt, manche -so scheint es wenigstens – gar von Menschen allgemein.IMG_2186_Fotor

Wir essen Kokosnuesse bis der Arzt kommt, fangen tolle Fische, freuen uns ueber Buckelwale und ueber den immensen optischen Reichtum den die Unterwasserwelt hier spektakulär zur Schau stellt. Die Straende sind lang und weiß und voller Muschelsucher-Schaetze, der Djungel dicht und gruen und voller Fledermaeuse, und mit etwas Glueck pflücken wir hier unsere Papaya kostenfrei.

Alles picobello also, waere da nicht das kulinarische Problem.

Die Sucht nach Kulinarik

Unsere ganz persönliche Essstoerung, muessen wir feststellen, ist die Sucht nach Kulinarik. Und zwar gepflegte, originelle Kulinarik. Nicht einfach nur essen.
Und da sind wir hier an der falschen Adresse. Gaehnende Leere auf weiter Flur!
Das traditionelle tonganische Essen, welches käuflich erwerblich ist, kommt aus der Fritteuse, oder aus der Dose. Mag sein, dass Mutti am Herd anders kocht und ganz klar gibt es bei Festessen meist in der Erde gegartes, aehnlich einem maorischen Hangi, aber der Einblick in den tagtaeglichen Konsum dreht sich bisher um in tiefem Fett Ausgebackenes. Was ja auch mal lecker ist. Mal.
Nach zwei Tagen Friteuse hat man aber das Repertoire dann auch schon ausgiebig erschöpft. Huhn, Huhn KentuckyFried Chicken Art, Fisch, Pommes. Meisten gibt es auch noch ein Curryartiges Gericht, serviert mit der geschmacksneutralsten Erdfrucht, die ich je gekostet habe: Maniok oder Tapioka. Naehrwert gen null laufend.

Versprochene Maerkte

Die ausgiebigen Frucht und Gemuesemaerkte, auf die wir uns gefreut hatten, sind wohl eher eine sommerliche Erscheinung. Auch hier ist Winter und die Pflanzen merken das; logisch irgendwie. Dennoch sind die Maerkte, Winter wie Sommer, auf Naiafu in Vava’u und Nuku’alofa in Tongatpu begrenzt. Die Hapai Geuppe wurde 2014 von Zyklon Ian so schlimm zugerichtet, dass es bis heute nahezu unmöglich ist frische Karotten zu ersteigern. Der Markt in Pangai (Hauptstadt der Ha’apais) bot folgendes feil: Maniok, Kokosnuesse, Bananen, Eier und einen Haufen T-shirts. Daswar’s!

Die Supermaerkte, oder: Shoppingcenter, wie sich hier die Klein-Emma Laeden nennen, führen alle mehr oder minder das gleiche Sor

timent an Shampoo, Toilettenpapier, Badelatschen, Deodorant, Keksen, Chips und Dosenfutter. Mit Glueck bekommt man Butter und manchmal Bier. Fuer teures Geld uebrigens. Billig ist Tonga sicherlich nicht.

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Ich fühle mich schlecht. Weil ich merke wie verwöhnt wir sind, und wie undankbar und selbstverständlich wir mit dem uns sonst verfügbaren Luxus umgehen. Und ich fühle mich schlecht, weil die Kurzen nach Tomaten, Gurken und Moehren fragen und ich Ihnen höchstens Erbsen und Moehren aus der Dose anbieten kann.

Vielleicht

Vielleicht brauchen wir noch mehr Zeit um hinter den Kulissen zu stöbern und vielleicht würde eine wirkliche Freundschaft mit Tonganern uns andere Tueren oeffnen, als das die bisher flüchtig geschlossenen Bekanntschaften getan haben.

Bisher aber gestehen wir uns mit Schamesroete ein, dass ein Land ohne kulinarische Vielfalt fuer uns nur ein sehr vorübergehender Stop sein kann. Fiji ist nur 350 Seemeilen entfernt; aber mag es sein, dass die gesamte Suedsee eine Essens-Wueste ist?

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Vielleicht sollen wir einfach zur Ruhe kommen -kulinarisch- um die wahre Schoenheit der Kokosnuss und der Maniokwurzel auf uns wirken zu lassen.
Mir gehen derzeit frisch gegrillte Sardinen und portugiesischer Bergkaese nicht mehr aus dem Sinn. Aber ob wir Luna auf so weite Reise schicken wollen???

2 Kommentare zu „Unsere Essstoerung

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