Gedanken

Von depressiven Stachelrochen…

..und warum wir nicht in den Zoo gehen

Wir sind gerade in Auckland. Tatsächlich haben wir eine verhaeltnissmaessig ereignislose Fahrt hierher gemacht, obgleich unsere bisher laengste Route nonstop. Spaet nachmittags gings los aus der Bay of Islands; nach etwa 26 Stunde warfen wir den Anker vor Aucklands Kueste. Wider Erwarten koennnen wir In dieser ansonsten vollkommen überbesiedelten, ueberkommerzten Stadt einfach gratis vor Anker liegen, und das einzige, das etwas nervt sind die 48 Faehren -geschätzt – die täglich an Luna vorbeibrettern und ziemlichen Schwell erzeugen.

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Hierher gekommen sind wir um unsere Rettungsinsel warten zu lassen, was ein paar Tage dauern wird, und um einem Hochsee Ueberlebenskurs beizuwohnen. Kurs und Rettungsinsel sind wie der Regenschirm, den man mitnimmt, weil es dann eben nicht regnet; dieses aber sicher getan hätte, hätte man keinen dabei gehabt.

Bloß nicht in den Zoo

Am Freitag haben wir unsere Kurzen ins Aquarium ausgeführt. In Kelly Tarlton’s Underwaterworld/ SeaLife. Weil es gerade in der Naehe war und wir Freitag eh nix zu tun hatten. Und weil wir dachten, es wäre vielleicht interessant und lehrreich, paedagogisch wertvoll quasi.

Wir gehen nicht in den Zoo, weil ich mit Zoos nicht klarkomme. Ich finde es unfair, dass Tiere in Menschen Naehe und in Gefangenschaft gehalten werden, wenn wir sie doch selber als Wildtiere bezeichnen. Ich empfinde das als totalen, perversen Widerspruch. Pervers, weil mir das Ausmaß an Egoismus, das von menschlicher Seite dahinter steckt so erscheint. Also gehen wir nicht in den Zoo. Niemals. Ich wenigstens nicht, und somit meine Kinder auch nicht. Ohne mich haben sie nämlich keine Lust. Zum Glueck.

 Und nun waren wir im Aquarium…

Hypokritisch?

Kurz bevor wir ins Beiboot stiegen sprach Ron es an. Ob das denn jetzt anders wäre, als Zoo. Ja, klar, fand ich. Anders, weil es schließlich keine Sauegetiere seien, und wenn ich Fischen den gleichen Status zuspräche wie diesen, ich wohl kaum damit einverstanden sei, dass er regelmaessig kleine Fische bei lebendigem Leibe mit einem Haken durchbohrt, um sie dann mehr oder weniger hinter Luna herschleifen zulassen; alles unterem anglerischen Fachbegriff ‚Lebendkoeder‘. Einverstanden ist vielleicht übertrieben, aber gedulded habe ich es – bisher zumindest. Die Aussicht auf einen großen leckeren Kingfisch zum Abendbrot war einfach zu bestechend.

Und nun waren wir im Aquarium….

Immer am Glas entlang

Die Pinguine waren aeusserst putzig. Der Pool irgendwie ein bisschen klein, aber sie wirkten recht dösig, also vielleicht zufrieden? Der eine  Gentoo, derwiederholt an der Glassscheibe auf und ablief waere vielleicht lieber woanders gewesen. 

Dann gab es viele Aquarium-artige Fische, die irgendwie ausdruckslos sind. 

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Als wir zu den ersten Haien kamen beschlichen mich Zweifel. Sollten diese stattlichen  Tiere wahrlich Jahre in einem so kleinen Basin verbringen, und immerzu nur im Kreis schwimmen können? Immer Haarscharf an der Glasscheibe vorbei, um ihren Freiraum maximal zu nutzen. Das war bei den Elephantenhaien. Ihr tristes Dasein wurde leichtpositiv aufgepeppt durch zwei Kugelfische im gleichen Becken, die mit ihren riesigen Kulleraugen so nett daherglotzten. Also vielleicht doch alles ok?!

Zwei riesige Stachelrochen aber gaben mir den Rest. Eingepfercht in einem Becken flaechenmaessig -mit Glueck- 20 Mal so groß wie einer von ihnen. Und man ruehmte sich, dass diese Giganten schon seit 25 Jahren an Ort und Stelle leben. Auweia, das war zuviel. Ein bisschen zuviel Schoenfaerberei. Klare Diagnose hier bei bloßem Hinschauen:  schwere Depression der Fischseele. Völlig lethargisch wirkende Riesen. Aber vielleicht sind sie ja von Natur aus lethargisch und ich bilde mir Ihre Depression nur ein??  Trotzdem hat keiner das Recht sie ihrer Freiheit derart zu berauben.

Gut gemeint 

Kelly Tarlton’s SeaLife ist sehr involviert in Aufzuchtprogrammen, Forschung und Artenerhaltung. Und es dient dem fragwürdigen Zweck, all denen, die sonst keinen Zugang zurUnterrwasserwelt haben einen Einblick zu gewaehren, und damit eventuell das Bewusstsein zu wecken, dass auch dieser Teil des Planeten aeussertst schätzenswert ist. Irgendwie ehrenwert. Aber auch ganz schön traurig, dass dieser Versuch ueberhaupt unternommen werden muss. Dass es soweit gekommen ist.

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Investition, bitte

Wie wäre es denn, wenn Eltern für diese Bewusstseins Schaerfung zuständig waeren und man garnicht erst mit Jugendlichen, jungen Erwachsenen oder auch Erwachsenen zu tun haben müsste, denen der Verbleib des Planeten scheissegal ist? Wenn Eltern in ihre Kinder investieren würden, nicht finanziell, dafür aber zeitintensiv und liebevoll, um diesen nahe zu bringen worum es wirklich geht in unserem Dasein. Würde man da eventuell das Problem an der Wurzel packen und damit nicht nur symptomatisch heilen, sondern es aus der Welt schaffen? Anstatt iPad und Fernseher mal am Strand spazieren gehen, den Schnorchel in der Hand. Nicht das Smartphone.

‚Everyone talks about leaving a better planet for our children. How about leaving better children for this planet?‘

Unsere Gesellschaft heilt Symptome, nicht aber die grundlegenden Uebel. Wir essen Shrimps beim Chinesen um die Ecke, aber fühlen uns gut, weil wir unsren Muell trennen. Das ist Gaga. Und noch nicht mal bis zur Tuer gedacht. Das ist irgendwie garnicht gedacht.

Auf den Kopf getroffen

Nach dem Aquariums Besuch fragte ich die Kurzen ob sie glaubten, dass die Tiere gerne dort im Aquarium lebten. Mona, vierjährig, traf den Nagel ziemlich auf den Kopf, als sie sagte: „Ich glaube, die haben es nicht so gut gefunden, dass sie eingesperrt sind.“

Kinder können fair sehr klar von unfair unterscheiden. Bis sie anfangen unsere maßgeschneiderten Verleumdungen und Rechtfertigungen zu glauben.

Gut ist nicht gut genug

Um es noch einmal klar und in kürze zu sagen:

Kelly Tarlton’s Aquarium ist ein gut gemeinter Versuch Menschen zum Meer und zu seinen Wundern zu führen. Was wir aber wirklich brauchen, um auf diesem Planeten etwas zum Besseren zu bewegen sind involvierte Eltern, die ihre Verantwortung nicht abtreten an Kindergaerten, Krippen oder Tagesmuetter, deren Werte von Kommerz und eigener Bequemlichkeit bestimmt sind. Es sind die ganz fruehen Lebensjahre, die darueber entscheiden wie und wer wir werden. Was in diesen Jahren erlebt und vorgelebt wird ist unweigerlich eingebrannt in die Hardware des Systems Mensch und wird zur Standardeinstellung, nach der wir weiterhin – und zumeist lebenslang – handeln. Unsere Kinder müssen unsere Hoffnung sein. Unser bedeutendster Beitrag fuer eine Zukunft in der es wieder bergauf geht.

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