Elternschaft · Gedanken

Befreit

Vor sechs Jahren ganz genau hat unser Linchen das Licht der Welt erblickt. Dies geschah im australischen Barossa Valley (in Nachbarschaft einiger der herrlichsten Shiraz Rebstoecke der Welt) facilitiert von Aerztehaenden, die kein Zutrauen in die Grossartigkeit des weiblichen Koerpers hatten, und die auf Grund von Kalenderdaten einen Kaiserschnitt initiierten. Noch heute koennte ich mich schwarz aergern, dass ich damals nicht stark und weise genug war mich ihnen mehr entgegenzustellen. Aber hinterher ist man immer schlauer und meine persoenliche Konsequenz aus dieser Erfahrung war, die naechsten beiden Kurzen Zuhause zur Welt kommen zu lassen. Nur in Hilfestellung von zwei Hebammen, die im uebrigen zu den inspirierendsten Frauen gehoeren, die mir bisher begegnet sind.

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Samthandschuhe

Dass wir uns gegenseitig in Watte packen und mit Samthandschuhe anfassen traegt offensichtlich nicht dazu bei, dass wir als Spezies Mensch erfolgreicher – und auf garkeinen Fall gluecklicher – sind. Kinder, die nicht zu hoch schaukeln  duerfen und nicht vom Fussboden essen sollen; Frauen, deren Wiedereinstieg in den Beruf nach dem 40ten Lebensjahr als problematisch angesehen wird und Maenner, die immerzu saubere Fingernaegel haben sollen: kein Stueck ‚Can-Do Mentalitaet‘, dafuer viel Zoegerlichkeit beim Ausprobieren und Angst vor dem Versagen.

Wenn wir damit rumlaufen, tun unsere Kinder das natuerlich auch. Gegen den Strom – und gegen das eigene Tun – reden hilft leider garnichts – ausser dass es dem jungen Menschen vermittelt, dass Mama nicht das tut, was sie sagt, und dass auch diese Diskrepanz zwischen sagen und tun damit offensichtlich salonfaehig ist. Schliesslich verhalten sich Mama und Papa ja so…

Unsere Kinder werden nicht immer das tun, was wir ihnen sagen; aber sie werden immer – letztendlich – das tun, was wir tun.

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Risiko, hallo!

…Diese rote Skipiste. Und ich hatte mir ja gerade erst das Stehen und Fahren auf Skiern beigebracht, im Abguck- Verfahren. Aber irgendwie war blau schon ein bischen langweilig, oder eben einfach nicht mehr prickelnd genug. Also ab in den Lift. Ich bange und das Herz klopft. Ich habe einfach keine Ahnung ob ich das kann, oder ob ich tierisch auf die Schnauze fallen werde…

Und genau das habe ich irgendwie oft gedacht in meinem Leben. Aber wahrscheinlich laengst noch nicht oft genug. Aber so gut wie immer war hinterher klar: ‚War ja alles garnicht so schlimm. War eigentlich ganz einfach.‘ Und ZACK! schon ist man ein Stueckchen ueber sich selbst hinausgewachsen.

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Genius vor die Hunde

Unsere groessten Huerden sind mentaler Natur. In unserem Kopf einfach nur; ausgedacht quasi. Und diese Huerden werden dorthin gesteckt von unserer Umwelt, Mama, Papa, Nachbar, Onkel, Werbung, Kino, Freunde…. Ich glaube fast, dass ungeahnte Mengen an Genius, Witz und Erfindungsreichtum verschlossen liegen in den angstgelaehmten Koepfen unserer Gesellschaft und fast scheint es, als haette irgendwer Interesse daran dieses genauso zu halten – oder gar noch zu verschlimmern.

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Wir sind die Hueter unserer Kurzen und wir nehmen diesen Job sehr ernst. Mindestens einmal taeglich allerdings verfluche ich die Pedanz mit der wir uns dieser Aufgabe verschrieben haben, denn wie schoen waere es, ab und an einmal 5 Minuten am Stueck etwas fuer sich selbst zu tun ohne von einem maulenden, jubelnden oder bruellenden Kind unterbrochen zu werden? Traumhaft, nehme ich an. Bei mir liegt dieser Wonnezustand in etwa 6 Jahre zurueck, und ich beneide regelmaessig all jene, die ihre Kinder in den Kindergarten, zu Oma, ins Ferienlager oder in die Schule schicken.

Jedoch dann wieder sehe ich Familien, in denen man den Draht zueinander verloren hat, weil keiner Zeit fuer den Anderen hat und hier kann keine Mama das Plattgebuegele vom System mehr auffangen. Schon wieder ein Genius vor die Hunde…

Also hoffe ich in meinen schwachen Momenten einfach auf den Skipisten Effekt – kann sich ja nur noch um 10 bis 12 Jahre handeln. Richtig?

Befreit

Heute hat uns das neuseelaendische Bildungsministerium Linas Schulbefreiung erteilt.

Dem sechsten Geburtstag vorausgehend muss man dem Ministerium in einem Antrag glaubwuerdig versichern, dass das besagte Kind mindestens ebenso regelmaessig (‚as regularly as‘) und ebenso gut (‚as well as’) lernen wird, wie Kinder in oeffentlichen Schulen dieses tun. Neun Seiten spaeter ist mir dies gelungen und wir feiern heute Linas Geburtstag und unsere Entscheidung in einem Land zu leben, welches uns so viel mehr Freiheit gewaehrt als unser Heimatland Deutschland.

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Danke, NZ, dass wir hier sein duerfen!

Ein Kommentar zu „Befreit

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