Segeln mit Kindern

Hafenleben

Im letzten Jahr, als wir eines verregneten, grauen Tages im August eine an Bord lebende Familie in der Bridge Marina in Tauranga besuchten war mein Urteil danach vernichtend: ‚Auf garkeinen Fall wuerde ich mich auf so ein Leben einlassen: mitten in der Grossstadt, direkt am Containerhafen, kein Grass, kein Zweig und von einem Highway umrundet, so dass man ohne Auto eigentlich nirgendwo hinkann – wenigstens nicht mit Kindern. Und dann der Laerm des Highways, und der des nahen Flughafens, und ueberhaupt. NEVER!‘

Ja, so sprach ich wohl im August. Heute leben wir eben hier, in der Bridge Marina.

Umdenken

Vieles sehe ich inzwischen anders; positiver, praktischer und realistischer. Es gibt Grass und Baeume, nur eben nicht soviele wie in Waikino, unserem alten NZ Bilderbuch Zuhause. Sogar ein kleiner Badestrand schliesst sich an die Marina an. Wir baden hier fast taeglich – vor der Kulisse der brausenden LKW auf dem Highway. Aber man gewoehnt sich dran, und freut sich eben mit klein Kian an den vielen Feuerwehren, die hier entlangbrettern, mit viel Tatuetata. Auch der Containerhafen stoert uns nicht. Im Gegenteil: nachts traumhaft schoen erleuchtet fuehle ich mich in meine Heimatstadt Hamburg zurueckversetzt und den Kurzen sind die grossen Dampfer eine ebenso grosse Freude wie Faszination. Erdkundestunde Nummer eins.

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Spasspolizei

Anderes hatte ich nicht vorhergesehen und es vermiesepeterte uns schon manche Stunde. Allem voran das Marina Management, welches offensichtlich keine eigenen Kinder hat, oder wenn, dann auch denen grundsaetzlich jeden Spass verbietet. Alles unter dem Huetchen Health & Safety natuerlich. ‚Bitte nicht in der Marina fischen – auch nicht nach Krabben -, bitte keine Kinder in den Karren ziehen, nicht mit dem Roller fahren und auf garkeine Fall Waesche an Bord aufhaengen‘. All diesen illegalen Aktivitaeten froenen wir nun nur noch ausser Sichtweite und nach Feierabend der Spasspolizei.

Reissender Strom

Ein weiteres ist die Stroemung. Bridge Marina liegt in einem der Befuellungs- und Entleerungsarme der weitlaeufigen Buchten Taurangas. Zu Topzeiten rast das Wasser mit 5 Knoten Stroemung durch den Hafen. Da mag man keine Kinder ins Wasser fallen sehen – ob mit oder ohne Schwimmweste – und auch ein 20 Tonnen schwerer Stahlkoloss mit 2.2m Tiefgang ist bei solchen Einfluessen nicht sicher zu manoevrieren. Also bewegen wir uns nur zu stehender Tide aus unserem Liegeplatz heraus oder herein. Das erfordert etwas mehr Planung und manchmal einen Fruehstart in der Dunkelheit. Nervig, aber machbar.

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Plan B

Der Plan ging ja bisher noch nicht so besonders gut auf. Leider klappt eben nicht immer alles so, wie man sich das vorgestellt hat… Ron muss weiterhin an fuenf Tagen in der Woche die Baeckerei pflegen, da sich noch immer keinen Kaeufer gefunden hat. Und die Kurzen und ich? Nun, wir paddeln und schwimmen und finden Seesterne und Krabben, wir angeln und staunen und lachen und aergern den Hafenmeister, und wir fahren Schlauchboot und beklettern das Rigg, und wir essen wahrscheinlich ein bischen zuviel Eis.

Immer wenn Ron frei hat, dann segeln wir – wenn Tide und Wind uns gnaedig sind-  und dann lernen wir unsere Luna kennen und auch das Leben, dass da am Horizont auf uns wartet. Und denken auf Plan B herum, denn ein Winter in diesem Hafen kommt mir nicht in die Tuete. NEVER!

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