Gedanken · Segeln mit Kindern

Die Macht der Erwartung

Tja, wie ist es denn so, wenn man sich von einem 80 Quadratmeter Haus mit Mammut Garten auf ein 15 Meter langes Boot verholt? Drei Kinder im Schlepp: eine Fuenfjaehrige hochsensible, wiss- und kitzelbegierige. Eine Vierjaehrige, die eben vier ist (mit aller Unlogik, die dazu gehoert) und einem fast Zweijaehrigen, der schon alles alleine kann. Und ich meine: ALLES. Nur das Aufraeumen hinterher ueberlaesst er mir – meistens.

Besser als erwartet

Die Antwort: Besser als erwartet. Das heisst allerdings nicht, dass ich ausschliesslich gutgelaunt und ausgeschlafen durch den Tag schreite. Vielmehr heisst das, dass ich meistens muede und mehr oder weniger am persoenlichen Kapazitaetslimit daherkomme; mich aber zwischendurch immer wieder diebisch freue, dass das ein oder andere schneller geht als erwartet, die Kurzen sich beim ersten Mal einig waren, oder ich gar etwas erledigen konnte, was nicht unmittelbar mit dem Glueck der Goeren zusammenhaengt. Diese Freudensmomente sind zugegebenermassen rar gesaet. Aber im Grossen und Ganzen hatte ich Schlimmeres erwartet.

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Alles ist eben relativ.

Gut vorbereitet

Ich bereite mich gerne auf diese Extrem Situationen in meinem Leben vor, indem ich mich fuer eben dieses wappne: Extreme. Jedes Tief braucht ein Hoch und zu Schwarz gehoert Weiss. Ich kann das gut aushalten. Besser als grau allemal. Und wer Kinder kennt, und realistische Erwartungen hat, den wird es nicht allzu hart treffen. Die Erwartungen an Kinder, die uns oftmals von aelteren Generationen eingeimpft werden, sind manchmal sofern ab des Spektrums, leider, dass Eltern und Kinder meist als Enttaeuschte das Spielfeld verlassen und sich Hilfe holen in Form von Diagnosen und Ritalin. Gluecklich wird dabei selten einer.

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Realistischer erscheint es mir da, sich mit der Entwicklung und dem Wachsen von Kindern und ihren Faehigkeiten auseinander zusetzten. Und ‚PENG!‘ da merkt man ganz schnell, dass das Verhalten, welches eben noch so egoistisch und unangemessen erschien einfach altersgerecht ist und Gruende hat, die weitab vom Wunsch zu manipulieren liegen. Unfertige neurologische Entwicklungen und noch zu uebendes Emotionsmanagement. Und trotzdem nervt’s manchmal einfach nur, dass Kinder immerzu lernen und entdecken wollen: ihre Umwelt, sich selbst, uns und unsere Grenzen.

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Nerven – Zerreissproben

Der Weg von Luna ueber den Steg bis hin zum Land dauert oft 20 Minuten. Nicht, weil diese 200 Meter laenger als andere 200 Meter waeren. Einfach, weil da so viel Treibholz und Quallen und Fische und Krebse und Korallen und Boote und Anker und Beiboote und, und, und zu entdecken sind. Niedlich, und doch auch die absolute Nerven-Zerreissprobe. Aber es ist auch meine ganz persoenliche Lektion im Verlangsamen und darin,die kleinen Dinge im Leben wieder wertschaetzen zu lernen. Es ist eben nicht eine Lektion fuer die Kurzen, dass wir uns jetzt Wichtigerem widmen sollten.

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Und ausserdem: Geschafft!

Wir haben den Umzug vollbracht, alle Sachen verstaut (bis auf einen letzten Koffer, der noch immer in unserer Dusche wohnt), drei Elemente des vier elementigen Herdes zum brennen gebracht, unseren Grauwassertank wieder voll funktionsfaehig und abpump-freudig gemacht.

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Wir haben das Unterwasserschiff gestrichen und La Luna ein Zertifikat fuer elektronische Fitness verpassen lasen und in diesem Zuge unsere Angst bestaetigt, dass wir leider wirklich neue Batterien brauchen – Kostenpunkt $6000 o.ae.. Wir haben viele Krebse gefangen, Fische seziert, Stunden im Waschsalon verbracht und bei Mac Donald’s W-Lan und den Spielplatz benutzt – und heraus gefunden, dass Maeckes Hashbrowns durchaus essbar sind.

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Wir haben neue Freunde gefunden, die auch auf Booten leben (mit Kindern) und die uns helfen uns wieder als ‚normal‘ einzustufen. Wir haben einen neuen Anker bekommen; ein Vorschuss vom Weihnachstmann: einen 33kg Rocna. Yey! Nun denken wir auf Loesungen herum was wir anstellen koennen, damit das neue Schmuckstueck uns nicht bei jeder Bewegung den Bug zerkratzt. Leider hat Lunas Design da etwas wenig Spielraum mitgebracht…

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Wir sind Dinghy gefahren, haben unseren Motor mit viel Liebe und neuen Filtern zu mehr Verlaesslichkeit ueberreden koennen und Lina ist in die Marina gefallen – ohne Schwimmweste; somit habe ich den Schreck meines Lebens bekommen und wir alle wieder was gelernt. Wir haben unsere Solarbetriebene Lichterkette aufgehangen und unseren Alkohol Konsum erhoeht. Bald ist Weihnachten.

Das Leben ist wild, aber gut.

2 Kommentare zu „Die Macht der Erwartung

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