Segeln mit Kindern

Komm doch mit in mein naechstes Leben…

…lass einfach los, ich halt’ dich fest!!  (Rosenstolz)

Am 7ten November betrat ich Land weit ausserhalb meiner Komfortzone: Ich liess meine drei kleinen Kinder erstmalig in ihrer aller Leben laenger als drei Stunden allein zurueck- naja, immerhin in Betreuung ihres liebevollen Vaters – und trat einen dreitaegigen Segeltrip an, um unser neues Zuhause nach Tauranga zu bringen.

Nach vielen Stunden Autofahrt nahmen Skipper David, Crew Markus und ich La Luna in Besitz und bastelten, probierten und wurschtelten stundenlang umher, bis wir es geschafft hatten den Motor nicht nur zu starten, sondern auch wieder auszustellen *lach*; ein drittes Reff im Haupt eingezogen war, der ueberlaufende Grauwassertank nicht mehr ueberlief und endlich eine uralte Gasflasche durch eine neue ersetzt war, so dass ich auf den zwei gerade so eben funktionierenden Gaselementen (von vier) ein spaerliches Abendmahl gestalten konnte.

In der folgenden Nacht schlief ich in etwa garnicht. Starke Winde zerrten und zogen am Schiff, alles knartschte und quietschte und mein Kopf fand einfach keine Ruhe…“Was um alles in der Welt tat ich hier??? Hatten wir wirklich die richtige Entscheidung fuer uns und unsere Kinder gefeallt?“

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‚Wer loslaesst hat zwei Haende frei’

Und eben diese brauchten wir auch gleich am naechsten Morgen bei gut 40 Knoten Wind und anstaendigem Schwell. Gott sei Dank hatte Skipper David vorgeschlagen noch ein drittes Paar Haende mitzunehmen und so kamen wir in die angenehme und dichthol-freudige Gesellschaft meines alten Bekannten Markus. Ohne dessen Muskelkraft waere ich sicherlich an den wartungsbeduerftigen Winschen zu Bruch gegangen. Und vermutlich haette David aus Sicherheitsgruenden darauf bestanden im Hafen zu bleiben.

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Gegen Mittag liess sich die Sonne sehen, und mit ihr auch die erste Delphinfamilie. La Luna und ich fuehlten uns freundlich willkommen geheissen. Ob die Jungs das auch so empfanden weiss ich nicht – irgendwie erschien es mir unangebracht sie meiner andauernden Gefuehlsduselei auszusetzen.

Salzverkrustet liessen wir am Nachmittag in der Mansion House Bay von Kawau Island den Anker fallen.

Am Abend werkelten wir zu dritt den bisher nicht funktionierende GPS Plotter wieder heil. Das wenigstens dachten wir, als er kurzfristig ansprang.

Altmodische Seekarte und Gottvertrauen

Als wir am naechsten Morgen um 1 Uhr den Anker lichteten war die Heilung des GPS’s wieder passé und wir tasteten uns per altmodischer Seekarte und Gottvertrauen bei ziemlich guter Sicht durch das Riff. Der Wind hatte sich etwas beruhigt auf etwa 30 Knoten und nur im Colville Channel waren die Seen noch so hoch, dass sie mich aus der Koje katapultierten. Gerade rechtzeitig zum Sonnenaufgang.

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Erste Verluste

Der Tag war lang: Segel rauf, Segel runter, Segel rauf – furchtbar unbestaendiger Wind. Wirklich spannend wurde es aber erst wieder am Abend: bei der Einfahrt in den Tauranga Kanal setzten wir die ungewandte Dame erst mal auf Schiet. Bald liess der sandige Untergrund sie aber wieder frei und wir warfen den Anker. Auf Nimmerwiedersehen! Nach dem Eingraben beschlossen wir ihn wieder zu lichten, weil wir dem Nachbarsschiff bedrohlich nahe waren. Gelichtet haben wir aber nur noch die Kette; die Schraube im Wirbel hatte sich geloest und mit ihr sich der Anker in dunkle Tiefen verabschiedet. Aergerlich, aber besser hier und heute als eines windigen Nachts in einer ueberfuellten Ankerbucht.

Um Mitternacht hatten wir endlich eine Mooring am Haken und genossen unser hart verdientes Feierabendbier.

Das Einlaufen in die Tauranga Bridge Marina am naechsten Morgen bei starkem Seitenwind verlief erstaunlich unproblematisch, dank eines hilfsbereiten Bumperboats, welches die Marina routinemaessig zur Unterstuetzung schickt.

Fazit

Ich fuehle mich um Wochen gealtert, aber auch weiser – und vorallem hundemuede und gluecklich!

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