Elternschaft · Segeln mit Kindern

Aller guten Dinge sind drei?

Eine Warnung an alle gebaehrfaehigen Eltern

In der Natur scheint alles seinen Sinn, sein Recht und seine Ordnung zu haben. Figeliensch ausgetueftelt und in sich taktisch klug, verblueffen mich immer wieder Systeme, Muster und Kreislaeufe. Zwei Dinge jedoch leuchten mir einfach nicht ein, und ich kann sie nur als grobe Fehltritte des grossen Erschaffers verbuchen:

1. Zahnen und seine Hoellenqualen

Denn – mal ehrlich –  Qualen sind es, die hier alle Beteiligten treffen. Kind und Eltern. Und Geschwister. Und ueberhaupt jeden, eigentlich, im Umfeld des zahnenden Kindes. Warum muss das wehtun oder wo ist der sonst immer zuverlaessig mitgelieferte Anti-Schmerz-Mechanismus versteckt? Und wieso ist dieser nicht an erster Stelle bei GOOGLE gelistet?

Einzig Weleda ©, die ein scheinbar wohlschmeckendes und eventuell helfendes Zahnungs-Pulver herstellen, moegen Freude an diesem, scheint’s immer wiederkehrenden und nicht enden wollenden, Zustand zu haben. Ich jedenfalls, obgleich eigentliche Medikamenten-Hasserin, habe hier schon so manchen Dollar abgedrueckt. Ob wirkungsvoll oder nicht, sei dahingestellt. Das Gleiche gilt fuer Bernsteinketten. Wenigstens sehen sie niedlich aus; und boese Geister halten sie angeblich auch fern.

2. Unsere uebermaessige Fruchtbarkeit

Der zweite Faux-pas uebertrifft den Ersten in galaktischer Groessenordnung. VERNUENFTIGE Familienplanung wurde im System Mensch nicht mitgeliefert. Und sofern diese in unserem westlichen Erziehungs- und Bildunssystem irgendwann auf halber Strecke vor Erreichen der sexuellen Reife zwangs verpult wird, so ist dieser Dampfer – an mir wenigstens – vollkommen ungesichtet voruebergeglitten.

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Drei Kinder in 4 Jahren gebaeren klingt praktisch. Dann ist der Windel Abwasch einmal radikal vom Tisch (gesetzt man verhindert SICHER und zuverlaessig das Zeugen weiterer Kinder) und etwa sieben oder acht Jahre spaeter kann man getrost Teppich, Tapeten und Couch ersetzten. Denn es ist dann davon auszugehen, dass von nun an keiner mehr an die Waende malt, auf den Teppich pinkelt oder – bis zum Einzug der Teenage Jahre, wenigstens nicht – die Couch vollkotzt.

Aber zu frueh gefreut. Und leider etwas spaet gemerkt…naemlich erst als Nummer Drei schon da war.

Wir lieben unsere Kinder abgoettisch und wollen sie auf keinen Fall missen. Und doch bin ich von der Dringlichkeit beseelt die Menschheit zu warnen:

IHR SEID ZU FRUCHTBAR!!! Nur weil eure Koerper es zulassen, jedes Jahr ein Kind zu gebaeren, heisst das nicht, dass dies in irgendeiner Weise empfehlenswert sei!

Habe ich diese Warnung je gehoert? – Nein! „Kinder werden dein Leben veraendern“, ja, aber kein Wort von Geburtenabstaenden oder der immensen Wichtigkeit von Omis, Tanten und anderen kostenfreien, und vorallem aber freundlich gesinnten, Babysittern. Um die Ecke und jederzeit verfuegbar.

Kein Wort davon, dass kleine Kinder ALLE IMMER neben Mama schlafen wollen, von Mama getragen werden wollen, auf Mamas Knie sitzen wollen, von Mama in den Arm genommen werden wollen, wenn sie weinen, ihnen etwas weh tut, ihnen kalt ist oder ihnen einfach danach ist; keine Rede davon, dass kleine Kinder IMMER ALLE, und normalerweise gleichzeitig, verschiedene Buecher vorgelesen bekommen moechten, Hilfe beim Anziehen brauchen und sich wuenschen, dass Mama ihren Po abputzt. Kein Mensch hat mir das gesagt!! Dass eine Mama nicht reicht…

Schadensbegrenzung ist alles, was bleibt. Und die Chance ueber mich selbst hinauszuwachsen.

Attachment parenting

Wir sind verbindlich, wo wir koennen, und deshalb sind unsere Kinder gut angebunden, verbunden, angeschlossen, attached. Komisch, dass in der deutschen Sprache diese Adjektive so einen negativen Beigeschmack zu haben scheinen, wenn man mit ihnen die Beziehung zwischen Eltern und Kind beschreibt. Eigentlich nicht komisch, eigentlich: traurig. Ich glaube, dass Kinder die keine erzwungene raeumliche – oder auch verbale -Trennung von ihren Eltern erfahren haben, mit einem gesuenderem Selbstwertgefuehl heranwachsen als unsereins das getan hat. Und gesuender und besser sollte – nein: muss – doch das Kredo der heutigen Elternschaft sein.

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Diese Art der Beziehung laesst Kindern den Raum und die Freiheit genauso beduerftig zu sein, wie sie sind. Naemlich sehr. Fuer Eltern kann es immens anstrengend sein, diese Beduerfnisse zu erfuellen. Ich finde das jeden Tag irgendwann RICHTIG anstrengend, denn es sind normalerweise drei verschiedene Beduerfnisse die da zeitgleich nach Erfuellung schreien – oder wenigstens draengelich bitten.

‚Ich schmeiss dich in die Muellabfuhr‘

Wir versuchen mit Kindern ebenso respektvoll umzugehen, wie wir das auch mit Erwachsenen tun. Weil wir glauben, dass Kinder gleichwuerdig sind (Die Wuerde des Menschen ist unantastbar – war doch so? Ohne Altersbegrenzung, richtig?). Das ist kein einfach Unterfangen. Auf jeden Fall dann nicht, wenn einem immer mal laut schimpfend gedroht wird, man wuerde in die Muellabfuhr geschmissen werden. Stinky Mama!

Klar, Kinder bruellen in den hoechsten Emotionen ab und an mal um sich. Egal, wie gut und intensiv sie betreut sind. Aber wenn die Momente zu selten werden, in denen man miteinander in Zweisamkeit versinkt im Spiel, im Reden, im Lachen; dann ist es an der Zeit etwas zu veraendern.

Zeit, ein Boot zu kaufen und dem zeitarmen Landleben davonzusegeln.

Wir druecken ganz feste die Daumen, dass unsere Baeckerei bald verhoekert ist und wir spaetestens ab November einen besseren Betreuungsschluessel in unserer Familie haben.

 

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