Elternschaft

5 Gruende nicht in die Schule zu gehen

Lina ist vor kurzem 5 geworden. Irgendwie ist das ein kleines Jubilaeum. Ein halbes wenigstens. Und als Elternteil ist man auch ein bisschen stolz. Worauf eigentlich, weiss ich nicht so genau. Trotzdem bin ich irgendwie stolz. Auf das grosse Kind, oder auf mich; weil ich nun schon fast Profi-Mami bin?? -Keine Ahnung, auf jeden Fall ist der 5te Geburtstag irgendwie besonderer als die anderen bisher. Auch fuer mich.

Aber fuer unsere Neuseelaendischen Mitmenschen ja mal allemal.

Hier ist das naemlich so, dass jedes (0-8-15) Kind an seinem 5ten Geburtstag zum ersten Mal in die Schule geht. Oder am naechsten Montag nach dem Geburtstag. Spaetstens aber nach den soeben bevorstehenden Schulferien.

Wirklich! Kein Scherz.

Und das geschieht, weil das jeder so macht. Nicht weil man die Kinder in die Schule schicken muesste. Schulpflicht, bzw. Unterrichtungspflicht, besteht ab dem volllbrachten 6ten Lebensjahr. Aber ab dem 5ten Geburtstag DUERFEN sie in die Schule gehen.

Ich finde es gibt eine Menge guter Gruende Kinder nicht in die Schule zu schicken – oder wenigstens damit zu warten.

5 GRUENDE WARUM WIR NICHT IN DIE SCHULE GEHEN:
Spiel als erstes Lehrziel

5 jaehrige Kinder koennen noch garnicht abstrakt denken. Und meiner Meinung nach gehoeren 5jaehrige in den Garten, in den Wald, an den Strand. In die Natur und nach draussen. Sie sind noch vollends damit beschaeftigt ihre soziale Kompetenz zu ueben – spielend. Und sie sind damit beschaeftigt ihre feine und grobe Motorik richtig einzustellen – auch spielend. Spaeter eingeschulte Kinder sind kompetenter in ihrer Selbstregulation und im sozialen Bereich. In Finnland werden Kinder nach ihrem 7ten Geburtstag eingeschult, denn erst dann sind sie in der Lage sich, auch ueber einen laengeren Zeitraum, auf ein nicht eigens gewaehltes Thema zu konzentrieren.

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Wissensdurst

Kinder sind wissbegierig. Unendlich wissbegierig. So wissbegierig, dass es jeden Erwachsenen fast in den Wahnsinn treibt. Auch mich. Die Fragerei und die Antworterei ist anstrengend. Das anstrengendste daran ist, dass uns Erwachsenen oft die Antworten ausgehen. Weil wir es selber nicht wissen, oder nicht wissen wie wir es erklaeren sollen. Die Bloesse gibt sich kaum einer gerne. Welch Chance, aber,  fuer uns mit unseren Kinden zu wachsen!  In der Schule sind es nur jene, mit dem Lehrplan abgestimmte Fragen, die erwuenscht sind. Fleissig geuebt wird nicht das Verstehen und Durchleuchten von Hintergruenden, sondern das Abspeichern und Wiedergeben von vorgekauter Information. Mein fast fotographisches Kurzzeit Gedaechtnis hat mir hervorragende Dienste in meiner Schulzeit geleistet. Leider ist so gut wie garnichts in der Langzeit Abteilung abgelegt worden. 😦

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Freilernen

Das, was man gerne tut, tut man normalerweise gut oder sehr gut. Auf jeden Fall tut man es besser. Wer freilernt (also nach eigener Wahl eigenen Interessen folgt) lernt mit Freude und grosser Effizienz und Tiefe. Selbstdisziplin gewinnt eine andere Bedeutung – aus Gaengelei wird Spass.

Zeit

Die drei Kurzen sind nur einmal klein. Im Affenzahn rinnt uns die Zeit durch die Haende. Heute wollen sie noch stundenlang mit mir Schwarzwaelder Kirschtorte (die ist vielleicht etwas familienspezifisch) in der Sandkiste backen und Zack! ziehen sie schon aus und sind ueber alle Berge. Ich, und wir, moechten unsere Tage, unsere Zeit, mit unseren Kindern fuellen – solange sie das noch wollen.

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Soziale Kontakte

Obgleich bei uns noch nie jemand in den Kindergarten oder in die Kita gegangen ist, sind die Kurzen – oh Wunder! – sehr soziale und auch mehr und weniger kompetente Teilnehmer in dieser Disziplin. Zu jeder Zeit sind mindestens zwei weitere Kinder (ihre Geschwister) in ihrer Naehe und mindestens ein Erwachsener. Reichlich Gelegenheit zum ueben also. Unsere Freunde und Gefaehrten suchen wir sorgfaeltig aus. Kinder lernen durch Imitation. Wenn ein Kind noch nie mit einer imginaeren Maschinengewehr Salve begruesst worden ist, laeuft die Wahrscheinlichkeit gegen Null, dass es jemals von allein auf diese (obskure) Idee kommt. Das Gleiche gilt fuer Markenwahn, Konkurrenzkampf und Gruppenzwang.

 

In Neuseeland werden viele Kinder zuhause beschult, mit aber auch ohne Lehrplan. In Deutschland ist dies nach wie vor verboten *grusel*, oder verpeohnt: „Heimunterrichter sind fundamentalistische Christen‘. Bloedsinn! Wir sind auch total normal. Oder etwa nicht? *zwinker*….

Hier der deutschsprachige Anfaenger-Guide eines Freilern – Papas.

 

 

8 Kommentare zu „5 Gruende nicht in die Schule zu gehen

  1. 5 Gründe ich ich Unterschreibe. Wobei mir sogar noch ein paar mehr einfallen 😀

    und ich habs eh schon in der EinfachEltern-Gruppe auf Fb erwähnt (bei deinem 3unter3-Blogpost): Segler und freilerner *aufzeig* 😀 ihr seid nicht alleine.

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      1. Wir haben keine Schulpflicht wie etwa Deutschland. Wir haben eine Bildungspflicht. Dh es gibt einen Lehrplan der besagt dass Kinder in dem Alter das können sollten und jenes wissen müssten (Allgemeinwissen). Es gibt hier schon gewisse Regeln aber mit den meisten kann man sich arrangieren. Und am Rest arbeiten wir freilerner, homeschooler und co bereits intensiv mit dem Bildungsministerium.

        Einmal im Jahr müssen die Kinder in einer Prüfung nachweisen dass sie dieses Mindestmaß erreichen und nicht von der Bildung an sich abgehalten werden. Wenn sie das können, dürfen sie auch im nächsten Jahr zu Hause bleiben. Wenn nicht, gäbe es hier dann doch die Verpflichtung die Kinder in eine Schule mit Öffentlichkeitsrecht zu schicken.

        Allerdings gibt es einen weiteren wesentlichen Unterschied zu zb Deutschland. Die Jugendwohlfahrt und das Bildungssystem sind bei uns strikt getrennt. Also wer hierzulande seine Kinder nicht in die Schule schickt, bekommt ggf. Verwaltungsstrafen (bei nicht Bezahlung Ersatzfreiheitsstrafen), aber an und für sich muss man nicht darum fürchten, dass einem deshalb die Kinder entzogen werden können, wie in Deutschland, wo sich das Jugendamt in dem Fall durchaus einschalten würde.

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      2. ..Aus dem 19. Jahrhundert. Es wurde aber nie abgeschafft. In dem Fall ist es ein Glück dass das österreichische Bildungssystems so reformressistent ist. 😂

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