Segeln mit Kindern

Viele Boote und ein Trauma

Collage_FotoruseWir waren weg. Und die Baeckerei war geschlossen, eine ganze Woche lang. Im hohen Norden Neuseelands waren wir und wir haben in Hundertwassers letzte Kreation gepieschert (Hundertwasser Toiletten in Kawakawa) und mit Namen wie Tusitala, Kiripaka und Tutukaka Zugenbrecher erfunden. Es war toll!

Boote und ihre Makler

Der Hauptgrund fuer diesen verlaengerten Ausflug waren Boote. Fahrtenyachten, die hier vor Waihi und selbst in Tauranga kaum zu finden sind, weil sie meist zuviel Tiefgang fuer den Tauranga Harbour haben, in dem hier der meiste Segelsport stattfindet. In der Bay of Islands und im Golf von Hauraki hingegen tummeln sich die Cruiser und Langzeitsegler.

Boote schauen ist derzeit natuerlich unser liebster Zeitvertreib und auch die Kurzen sind (meistens) mit viel Spass bei der Partie. Sie liegen die Kojen Probe oder schwingen sich wie Affen den Niedergang herunter. An Deck finden sie normalerweise auch etwas, das als Reckstange misbraucht werden kann. Also Boote sind toll.

IMG_5169_Fotor.jpg

Autofahren hingegen nicht so. Und schon garnicht in Northland. Kurven, ueber Kurven, ueber Kurven – zum Schlechtwerden einfach. Die Kurzen haben Unmengen an nach nichts schmeckenden Reiscrackern vertilgt, denn leise vor sich hin kauen hilft – gegen Seekrankheit wenigstens. Das erinnere ich aus Kindheitstagen in denen ich stundenlang auf dem steinharten (weil in der Sonne getrockneten!!!) Schwarzbrot meiner Mutter rumkaute. Mama tut das heute noch, uebrigens, egal, ob seekrank oder nicht.

Ob Kinder, denen im Auto schlecht wird, auch seekrank werden? Wahrscheinlich, oder? Hmmm…

Wir haben einige Boote besichtigt und festgestellt dass Bootsmakler noch schlimmer sind als Immobilienmakler: “Das Wasser in der Bilge? Das ist bei so einem alten Holzboot total normal…” Na, wenn er meint. Wir, jedenfalls, kaufen sowas nicht.

IMG_1238_Fotor.jpgDie Reaktionen auf die Kinder, und ihr Benehmen, waren sehr unterschiedlich und teilweise interessant. Wie kann man denn mit einem 1-Jaehrigen schimpfen, nur weil er die Fussmatte zerknueddelt? Ein Boot spaeter hat Kian sich fuer eben diesen Makler dann uebergeben. Lach.

Wahrscheinlich sind wir nicht gerade die Traumkunden. Beliebter sind wohl Kinderlose, die ohne Taschenlampen und Fragen kommen und ein dickeres Portemonnaie haben. Sorry, Familie Kurze ist da unbequemer.

Wir haben viel gelernt und Eindruecke mitgebracht. Und ein Trauma.

Respekt, bitt’schoen!

Am letzten Tag der Reise ist Mona auf dem Weg zur Marina im Auto eingeschlafen. Da wir niemanden warten lassen wollten, haben wir das Auto beim Marina Buero geparkt und der Makler hat den Damen dort Bescheid gegeben, dass wir da sind, wo wir hingehen und dass dort ein schlafendes Kind im Auto sitzt. Ob sie ein Auge drauf haben koennten. Klar, kein Problem, alles selber Muetter.

Wir sind gerade auf Boot Nr.2 als ich ein Kind gellend kreischen hoere, als ob es gerade gevierteilt wuerde. Ich hatte Kian auf dem Arm und konnte ihn auch ohne akute Ertrinkungsgefahr nicht absetzen, also bruellte ich nach Ron (wohl auch ein bischen wie am Spiess), der unter Deck war. Papi, der Retter in der Not, hat sofort im Sprint das wild krakeelende und zappelnde Monchen aus den Armen einer Buerodame befreit. ‘Vielen Dank’ hat er auch noch gesagt. Muss man ja. Grummel.

Was ist los mit unsere Gesellschaft? Warum zollen wir Kindern keine Respekt? Warum sind sie so entmuendigt?

Wuerde ein wildfremder 4 Meter Riese meine Autotuer oeffnen, mich abschnallen und mich dann irgendwo hinweg tragen, wuerde ich auch schreien wie am Spiess. Weil ich naemlich Angst haette. Todesangst. Ein Kind gegen seinen Willen und ohne explizite Erklaerung so zu behandeln ist mir unbegreiflich. Toll waere es gewesen, haette die Madame Mona kurz erklaert, dass sie weiss wo wir sind, und dass sie gleich wieder da ist – mit Mama oder Papa.

Es ist doch wichtig Kinder so zu behandeln, wie auch wir behandelt werden moechten: Wir moechten wissen, was als naechstes passiert. Wir moechten wissen warum. Und wir moechten auch mal ‚Nein‘ sagen duerfen und tatsaechlich erwarten wir von unserer Umwelt, dass sie dieses ‚Nein‘ zur Kenntniss nimmt und es in Entscheidungen miteinbezieht. Respektvoll.

So aber haben wir einige Stunden und Eiskrem fuer alle gebraucht um uns von dem Schreck zu erholen. Vergessen wird Mona dies Erlebnis sicherlich niemals. Ich uebrigens auch nicht.

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s