Elternschaft

Ich liebe das, was du liebst

Wir singen ganz laut bei strahlendem Sonnenschein und in kurzen Hosen: ‚Guten Tag ich bin der Nikolaus, guten Tag, guten Tag…‘ Es ist Februar und wir sind in Neuseeland. Hochsommer also. Knackewarm und Badewetter, Eis-ess-Saison. Trotzdem ist Weihnachten noch in unseren Hirnen und Geschmacksnerven verankert. Und per Ohrwurm im Gehoergang.

Meine Kurzen lieben Weihnachtsmusik. Am liebsten natuerlich die von Rolf Zuckowsky. Weihnachstbaeckerei und so. ‚Es schneit‘ ist seit Monaten Monas Liebslingslied und sie schmettert sehr unbedarft und nur von einem gelegentlichen Befehl an mich unterbrochen: „Lauter, Mamam!“mit, und das obgleich sie noch niemals Schnee gesehen hat. Der Rhytmus machts und Rolf rockt eben. Immer noch.

Seit Monaten also hoeren wir Weihnachstlieder. Vor allem beim Auto fahren, aber auch zuhause und zwar eigentlich immer auf Wunsch der jungen Damen. Mein Enthusiasmus fuer Weihnachtslieder hielt sich stets in Grenzen und erlosch spaetestens am 2ten Weihnachtstag abends wieder vollends. Frueher war das so.

Image 13_1024_FotorNUN ABER…

habe ich dazugelernt. Lina und Mona ist es 1tens total egal ob der Text stimmt den sie lautstark mitsingen, 2tens ob Stimmungs- und Wetterlage in das Besungene passen und 3tens ob der Text dem Saisonalen Kalender gerecht wird. Das Vergnuegen des Singens steht im Vordergrund, die Melodie und der Groove.

MIT VERGNUEGEN

Und davon schneide ich mir eine Scheibe ab. Von dem Vergnuegen. Mit Vergnuegen sogar. Erst vor ein paar Tagen sassen wir mit Anderen in einem Liederkreis in der Sonne und es durften Wuensche geaussert werden. Mein Vorschlag mal wieder ‚Jingle Bells‘ zu singen wurde von den anwesenden Erwachsenen belaechelt und als Witz abgetan. Die Kinder wurden nicht weiter gefragt. Hmmm…

Dass wir langen Menschen den Kurzen so gerne ueberstuelpen was sich gehoert und was nicht, ist ein Grund zur Trauer. Natuerlich gibt es vieles, was Kinder noch nicht entscheiden koennen und natuerlich brauchen Kinder Grenzen, denn die geben Sicherheit. Aber genauso wie wir Langen, wollen auch die Kurzen ernst genommen werden und Kinder fuehlen sich ebenso schlecht wenn sie uebergangen oder ueberhoert werden. Genau wie ich und du uns schlecht fuehlen, wenn wir nicht fuer voll genommen werden.

IMG_0148_1024_FotorFREUNDSCHAFT VON ANFANG AN

Ich habe einen ganz grossen Wunsch fuer die Zukunft: Ich moechte dass meine Kinder nicht nur meine Kinder sind, sondern auch meine Freunde.

Dafuer muss ich sie aber auch wie Freunde behandeln. Von Anfang an. So gut es geht, wenigstens. Ich versuche sie und ihre Entscheidungen respektvoll zu behandeln (und das ist weiss Gott oft nicht einfach und gelingt mir natuerlich auch nur begrenzt), ich lasse ihnen ihren Freigeist. Ich bewundere ihn, wenn er mir auch noch so laestig ist, und ganz oberwichtig:

ICH VERSUCHE ZU LIEBEN WAS SIE LIEBEN. Ich lerne mich zu begeistern, fuer Dinge die mir banal erschienen. (Oh je, hoffentlich leben sie noch lange ohne das Wissen um Barbie!) Ich lasse mich ein und mache mit, ich feuere an und bin dabei. Weil ich glaube, dass es wichtig ist, dass die Perspektive der Kurzen gelebt und gefeiert wird. Kinder leben im Moment, sie geniessen in vollen Zuegen. Das Jetzt.

Collage_Fotor.jpgDas kann Glitzer ohne Ende sein, fluoreszierendes Pink, Weihnachtsmusik im Februar, nackt im staedtischen Springbrunnen baden, die Liste ist lang. Zum Glueck muss ich oft nicht aktiv involviert sein (alle ganz schlimmen Peinlichkeiten ueberlasse ich den Kurzen in der Exekutive), solange ich einfach dabei bin und ueber sie wache.

Wie eine gute, alte Freundin, die einem ins Ohr fluestert: „Ich stehe hinter dir, bei allem was du tust!“ Weil ich dich liebe.

 

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