Elternschaft

Als der Mais einen geflochtenen Zopf haben wollte

oder: Warum weniger Mehr ist

Ich haenge die Waesche auf dem Grossteil der Leine auf – ueberall dort wo ich ankomme ohne mich dabei vom Fleck zu ruehren. Kian hat sich entschlossen an meinem Bein fuer seine morgendlichen Stehuebungen festgeklammert und ich moechte den Frieden nicht stoeren. Da faellt mein Blick auf neonfarbene Waescheklammern an den Maiskolben im Gemuesebeet.

„Lina, Mona, schaut mal, da sind Waescheklammern an den Maiskolben!“,  „Ja, Mamam, das haben wir gemacht. Der Mais wollte einen geflochtenen Zopf haben.“

Aha. Klar. Hoffentlich haben sie ihm die Haare gekaemmt. Das ist naemlich meine Masche, wenn eine der beiden einen geflochtenen Zopf wuenscht – damit die Zotteln endlich mal geglaettet werden.

Collage_Fotor

Kurz darauf wird gekocht. Ganz spontan, mit all dem was die Kueche, aeh, ich meine: der Garten, so hergibt.

Zeug ist Spielzeug

Wir spielen mit Zeug, aber ganz oft ohne Spielzeug. Weil wir das so einfach mehr Spass macht. Und weil es so viel weniger Frustration gibt. Es kann nur Enttaeuschung darueber geben, dass der andere das hat, was man auch gerade haben moechte, wenn es im Kopf eine Schranke gibt, die verhindert dass wir etwas Drittes zu dem Objekt der Begierde ernennen. Lina und Mona kochen hier nur faktisch mit Zuchini, Tomaten, Petersilie und Schnittlauch; in ihren Koepfen ist es weitaus wahrscheinlicher dass dies Schokoladen Kekse sind. Und der Steinweg ist der Ofen. Ganz klar, oder nicht?

Wir spielen mit allem was wir im Haus und in der Natur so finden: Steine, Blaetter, Blumen, Stoecke, Muscheln, Samen, Sand, Rinde, aber auch Tuecher, Schaals, Toepfe, Dosen, Loeffel, Trichter, Stuehle, Decken, Taschen…..

Hier ein Bild von einer Pizza, die Lina zusammen mit Ron gebacken hat:

thumb_IMG_0836_1024_Fotor.jpg

Kinder sind voller, fuer uns unglaublicher, Phantasie. Nur mit Phantasie kann es Innovation und Kreativitaet geben. Nur mit Phantasie koennen Gedanken gedacht werden, die nicht dem Vorgebeteten entsprechen. ‚Freigeist und Querdenker sind alle Kinder. Das Problem ist, ein solcher zu bleiben wenn man erwachsen wird.‘ Dieses mal an Herrn Picasso angelehnt.

Das imaginaere Toast

Einmal, in einer Plastik-Fantastik Spielgruppe in der wir zu Gast waren, spielten Lina und Mona mit dem Plastik Herd und den Plastik Tellern, dem Plastik Toaster und den Plastik Toast Scheiben. Ein kleiner Junge kam hinzu und wollte auch mitspielen, und forderte eine Scheibe Toast ein. Mona hatte diese alle gerade gebunkert und reagierte auf sein unhoefliches Bitten mit totalem Verschluss der Beute. Der kleine Kerl war sichtlich und hoerbar empoert ueber ihr Verhalten. Da schaltete sich Linchen ein: sie nahm ein hoelzernes Puzzle Stueck, tat so als ob sie Butter drauf schmierte, und reichte es ihm mit den Worten:“ Hier! Ich hab‘ schon Butter drauf gemacht.“ Dieser kleine Geist aber war vielleicht schon etwas zu lange in dieser Spielgruppe – auf jeden Fall konnte er das Toast in Linas Hand nicht mehr sehen…

Auch wir haben Spielzeug, so ist das nicht. Wenig und Selektiertes allerdings. Dinge, die vielschichtig und mehrspurig einsetzbar sind. Wir haben beispielsweise Baelle, Puppen, Puzzle, Lego/Duplo. Ich liebe Lego! -Solange die Bauanleitung sicher in der naechsten Muelltonne liegt. Unser Duplo ist eines der wenigen Besitztuemer, welches uns 100%ig auch in den kleinen, engen Raum genannt Boot folgen wird.

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Und noch eins: Wir lieben allesamt den Strand und haben unsere Foermchen und Schaufeln immer dabei. Am Ende unserer Arme.

 

Wer spielt noch minimalistisch und was ist euer liebstes Zeug dafuer?

4 Kommentare zu „Als der Mais einen geflochtenen Zopf haben wollte

  1. Meine Liebe, ganz phantastisch paßt dieser Eintrag in unseren aktuellen Alltag. Das „spielzeugfreie Kinderzimmer“ ist konkretes Thema…umrahmt von „Magic Cleaning“ im ganzen Haus… und es fühlt sich sooooo gut an! Eines unserer liebsten Spielzeuge ist derzeit der riesen große Karton, den meine drei (ja, auch die fast elfjährige!) zu ihrem Haus ernannt haben. Zuerst wurde drauf, dann drinnen gesessen. Er wurde bemalt, durchlöchert und und und… Mittlerweile ist er zerlegt, aber liegt noch in der Stube. Bereit für den nächsten Einsatz.

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